Es ist einer der zahlreichen Höhepunkte der Rosenkavalier-Partitur von Richard Strauss: Die Überreichung der silbernen Rose durch den Grafen Octavian an Sophie, die Braut des Baron Ochs auf Lerchenau. Hier schlägt nicht nur das Herz der jungen Braut, sondern auch das jedes Opernliebhabers und jeder Opernliebhaberin höher.
Das ist auch kein Wunder, denn die Szenerie ist einfach zu schön, wenn Octavian – wie es im Libretto heißt – „ganz in Silberstück wie ein heil’ger Engel“ gekleidet, nach einer groß angelegten instrumentalen Steigerung zu einem strahlenden Fis-Dur Akkord des vollen Orchesters mit der Rose in der Hand auf einmal vor Sophie steht.
Die erfundene Tradition der silbernen Rose
Das Textbuch von Hugo von Hofmannsthal suggeriert, dass man hier einer in den Kreisen der Wiener Aristokratie des 18. Jahrhunderts üblichen Zeremonie beiwohnt. Diese verlangt, dass vor dem ersten Besuch des Bräutigams im Hause der Braut ein anderer Kavalier ehrwürdiger Abstammung der Verlobten eine silberne Rose überreicht und damit das Erscheinen ihres Zukünftigen ankündigt. Da sich Hofmannsthals Text nicht zuletzt durch die häufige Verwendung von Wörtern und Formulierungen des Wiener Dialekts den Anschein des Authentischen gibt, ist man ebenfalls gewillt zu glauben, dass die Rosenzeremonie während der Zeit des Rokokos auch wirklich praktiziert worden ist. Doch weit gefehlt: Denn genauso wie das Libretto mit seinen lokalen Färbungen in den Reden der Personen in einer von Hofmannsthal frei erfundenen Wienerischen Kunstsprache verfasst ist, hat sich der Autor auch die Zeremonie um die silberne Rose selbst ausgedacht.











