Die Rolle der Schwiegereltern
Dass in diesen Machtmechanismen die Schwiegereltern oftmals eine entscheidende Rolle spielen, die sich vor allem bei den Schwiegermüttern in vielen misogynen Witzen über diesen Personenkreis niedergeschlagen hat, resultiert aus verschiedenen Ursachen.
Ein zentraler Punkt ist hier, dass die Abhängigkeiten zwischen Eltern und Kindern in beiden Richtungen komplex sind. Verschiebt sich ein erst einmal ausgewogenes Verhältnis zwischen Zusammenhalt und individueller Abgrenzung oder gestaltet sich die Bindung zwischen den beiden Generationen besonders eng, kann es sein, dass der kollektive Emotionshaushalt durcheinandergerät. Wenn aber die Trennschärfe zwischen den eigenen Gefühlen und denen der Familie immer weniger greifbar wird, wird die eigene Autonomie oftmals geopfert. Und nicht nur das, man fühlt sich als Kind etwa auch für das Glück der Eltern verantwortlich, was schnell zu einer Überforderung führen kann.
Auch wenn damit die negativste der möglichen Entwicklungen innerhalb der Familie beschrieben ist, lassen sich derartige Prozesse in weniger starker Ausprägung eigentlich fast immer zwischen Eltern und Kindern konstatieren. Aber selbst bei nur dezenten und im Grunde normalen emotionalen Abhängigkeiten kann es zum Problem werden, wenn sich ein Kind eine:n Partner:in sucht. Dominiert die Herkunftsfamilie trotz des oder der Lebensgefährt:in, können Spannungen vorprogrammiert sein. Der neu hinzukommende Mensch wird als Eindringling in die bisherige Beziehungsdynamik empfunden. Da kann es passieren, dass die Schwiegereltern bewusst oder unbewusst, offen oder eher subtil meinen, ihm ihre Vormachtstellung beweisen zu müssen. Aktionen und Entscheidungen der neuen Partnerin oder des neuen Partners werden kommentiert und/oder bewertet und von dem eigenen Kind wird die gewohnte Loyalität eingefordert. Das kann auch auf Eltern- oder eben Schwiegerelternseite mit der Angst vor Status- und Machtverlust einhergehen, was eine weitere Eskalationsstufe in der Bekämpfung der neuen Partnerschaft nach sich ziehen kann. Auch der Instinkt, das eigene Kind beschützen zu wollen, kann dazu führen, dass die neue Partnerin oder der neue Partner erst einmal abgelehnt wird, da man nicht weiß, wie gut der Sohn oder die Tochter in der neuen Beziehung aufgehoben sein wird.