Vom „Zerbrochenen Krug“ zu RTL

Das Gericht als Bühne des Lebens

PremierenfieberDerZebrocheneKrug/DesEselsSchatten

Es gab mal eine Zeit, da gab es kaum ein Entkommen vor ihnen – vor allem Sender wie RTL oder Sat.1 schworen auf sie im nachmittäglichen Programm: Die Rede ist von Gerichtsshows. Ob Richterin Barbara Salesch, Richter Alexander Holt, Das Jugendgericht oder Das Familiengericht – derartige Sendungen dominierten um die Jahrtausendwende das Sehverhalten zahlloser Fernsehzuschauer zur Kaffeezeit.

Und auch heute ist die Hochzeit der Gerichtsshows noch lange nicht vorbei, was man an aktuellen Titeln wie Barbara Salesch – Das Strafgericht und Ulrich Wetzel – Das Strafgericht auf RTL oder natürlich auch Am Schauplatz Gericht auf ORF ablesen kann.

All das verwundert nicht, denn die Konstellationen in derartigen Sendungen sind für das Fernsehpublikum je nach dem dort verhandelten Fall mal aufregend, mal die Nerven kitzelnd oder auch mal zum Lachen. Man kann sich bequem auf seinem Sofa zurücklehnen und Nachbarn zuschauen, wie sie sich erbittert um Gartenzwerge streiten; oder Zeugin/Zeuge werden, wie mysteriöse DNA-Tests alles verändern oder ein:e unerwartete:r Zeugin/Zeuge für neue Verwicklungen sorgt. Mit anderen Worten: Gerichtsshows sind Mini-Dramen im 45-Minuten-Format, in denen Alltag auf Theater trifft. Wie aufwühlend oder amüsant die hier verhandelten Geschichten auch immer sind: Am Ende triumphieren Recht und Gesetz und bringen alles wieder ins Lot, sodass bei den Zuschauer:innen ein Gefühl der Genugtuung zurückbleibt. Und so ziehen Gerichtsshows ihr Publikum durch diese ganz eigene Mischung aus ein bisschen Soap, ein bisschen Tatort, ein wenig Realität und eine Portion Sozialkundeunterricht in ihren Bann.

Gericht und Literatur

Um die Wirkung, die von einer derartigen Melange aus Unterhaltung, Spannung und gesellschaftlicher Fallstudie ausgeht, wussten schon lange vor den Fernsehsendern zahlreiche Dichter:innen, die in ihren Werken ausgedehnte Gerichtspanoramen entfalteten. So bediente sich bereits mit den Eumeniden des Aischylos das Antike Theater 458 v. Chr. dieses Topos einer Verhandlung um Recht und Gesetz, dem über die Jahrhunderte zahlreiche Romane und Theaterstücke folgen sollten. Man denke nur an William Shakespeares Der Kaufmann von Venedig, Fjodor Dostojewskis Die Brüder Karamasow, Franz Kafkas Der Prozess, Peter Weiss’ Die Ermittlung oder die Produktion des Landestheaters Eichmann vor Gericht. Allein schon die Aufzählung dieser wenigen Titel zeigt, dass solche Prozessszenarien neben den aus den TV-Formaten bekannten Momenten von Spannung und Anteilnahme noch tiefer gehen können, wenn sie – je nach dem vor dem Gericht verhandelten Gegenstand – den Blick in gesellschaftliche Machtstrukturen und menschheitsgeschichtliche Abgründe werfen.

Das kann man auch bei der nächsten Produktion des Oberösterreichischen Opernstudios erfahren, wenn hier mit Viktor Ullmanns Der zerbrochene Krug und Richard Strauss’ Des Esels Schatten gleich zwei musiktheatrale Prozessgeschichten erzählt werden, denen allein schon aufgrund der Zeitumstände ihrer Entstehung eine politische Dimension zuwächst. Der Jude Ullmann vollendete seine Oper nach Heinrich von Kleists beliebter Komödie 1942 kurz vor seiner Deportation. Des Esels Schatten (nach einem antiken Sujet) ist hingegen Richard Strauss’ letztes Bühnenwerk, das er 1947 in Angriff nahm, und in dem zwangsweise seine Erfahrungen mit der Zeit der Diktatur mitschwingen.

Weitere Themen

Wonderful Town
TeaserMusical

Wonderful Town

Die Grundlage für den Musical-Klassiker Wonderful Town ist eine Serie von Kurzgeschichten im Magazin New Yorker über Abenteuer, die die junge Ruth McKenney und ihre Schwester Eileen erlebten, nachdem sie 1934 von Ohio ins New Yorker Greenwich Village gezogen waren. In ihren Geschichten war Ruth die „smarte, ernsthafte“ der Schwestern, Eileen die „hübsche, naive“. 1938 fasste Ruth die Stories unter dem Titel My Sister Eileen zusammen.
1940 adaptierten Joseph Fields und Jerome Chodorov die Geschichten für ein Broadway-Schauspiel und wenig später als Film. Ihr Plan, den Stoff auch noch als Musical herauszubringen, erwies sich allerdings als äußerst schwieriges Unterfangen. Produzenten, Stars und Songwriter kamen und gingen – oder wurden gegangen.

PremierenfieberWonderfulTown
Die Bettleroper Ensemble
SchauspielTeaserSchauspielhaus

„Die Ausstiegsmöglichkeit liegt bei null Komma null.“

Die Regisseurin Susanne Lietzow inszeniert am Landestheater Linz Die Bettleroper nach John Gay und Johann Christoph Pepusch. Das Singspiel aus dem Jahr 1728 schildert den Kampf zweier Könige der Londoner Unterwelt, des Hehlers Peachum mit dem Räuber Macheath. Die Rivalität eskaliert, als Macheath die Tochter Peachums, Polly, heiratet. Susanne Lietzow hat das Stück, zusammen mit dem Musiker und Komponisten Gilbert Handler, neu geschrieben. Wir treffen sie kurz vor Probenbeginn im Landestheater.

PremierenfieberDieBettleroper
Niklas Wagner Autor Die Mitte der Welt
TeaserMusical

Auf Spurensuche in einem Roman

Andreas Steinhöfels 1998 erschienener Roman Die Mitte der Welt lässt sich nur schwer in eine Schublade stecken. Drückt man das Buch zehn Personen in die Hand, erhält man zehn völlig unterschiedliche Adaptionen. Worauf legt man bei der Übertragung in ein anderes Medium den Schwerpunkt? Will man eine bodenständige, alltagsnahe Coming-of-Age-Geschichte erzählen? Konzentriert man sich eher auf den Familienkonflikt oder auf die Lovestory zwischen zwei Jungs? Wie geht man mit den märchenhaften, magisch-realistischen Elementen der Vorlage um?

PremierenfieberDieMitteDerWelt
Lisa Wentz
SchauspielTeaserSchauspielhaus

Die Kraft der Erinnerung

Wer mit Lisa Wentz über Theater spricht, spürt sofort ihre Begeisterung für das „Kraftwerk der Gefühle“ – so nennt es der Schriftsteller Alexander Kluge. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen stets die Figuren: ihr Ausdruck im Hier und Jetzt, ihr Agieren in der konkreten Situation. Ein Agieren, das Emotionalität und Biografie widerspiegelt. Aus diesem Kern entwickelt die Autorin ihre Geschichten.

PremierenfieberVerräter
Amor und Psyche header
TeaserTanz

Eine Frage der Liebe

Im Gespräch mit Roma Janus, Dramaturgin und Leiterin von TANZ LINZ, erzählt der belgische Choreograf Jeroen Verbruggen von seinem künstlerischen Weg, seinen Eindrücken vom Ensemble TANZ LINZ und darüber, warum sein Stück Amor & Psyche? mehr fragt als es beantwortet.

PremierenfieberTanzLinzAmor&Psyche?
Gormenghast
OperTeaser

Wider das Denken in Schubladen!

Keine:r mag sie. Jede:r gibt vor, sie zu ignorieren. Und doch hat sie sich hartnäckig in den Köpfen der Menschen (zumindest bei den Menschen des deutschsprachigen Raums) festgesetzt: Die Rede ist von der Trennung zwischen der so genannten „U-Musik“ und der „E-Musik“, zwischen „Unterhaltungsmusik“ und „Ernster Musik“. Diese Grenzziehung ist bei Lichte betrachtet genau so absurd, wie wenn es bei Lebensmitteln Kategorien wie „seriöse Erdäpfel“ und „alberne Erdbeeren“ geben würde.

GormenghastPremierenfieber
Come From Away Sujet
TeaserMusical

Gander – Eine Kleinstadt im Ausnahmezustand

Am 11. September 2001 richtet sich der Blick der Welt auf New York. Terroristen lenken zwei Passagierflugzeuge in die Türme des World Trade Centers. Während sich das Drama in Manhattan entfaltet, herrscht über dem Atlantik tagesüblicher Hochbetrieb. Hunderte Maschinen sind auf dem Weg in die USA, darunter auch Lufthansa-Flug 400 von Frankfurt nach New York mit Kapitän Reinhard Knoth im Cockpit. An Bord: 354 Menschen, darunter Prominente wie der damalige Hugo-Boss-Chef Werner Baldessarini und Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth. Doch um 9.15 Uhr New Yorker Zeit ist Schluss: Die US-Luftfahrtbehörde schließt den Luftraum. Über 400 Flüge müssen umgeleitet werden. Kanada aktiviert „Operation Yellow Ribbon“ und nimmt die Maschinen auf – eine logistische und menschliche Mammutaufgabe.

PremierenfieberComeFromAway
Wiener Blut Header
OperTeaser

Blümchenkaffee und Eierschecke

Die kulturellen Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland sind an manchen Stellen größer als gedacht und an anderen wiederum viel geringer als befürchtet. Natürlich handelt es sich um zwei Kulturen, zwei Sprachen, die Differenzen sind groß und divers, aber die Verwandtschaft beider Seiten ist ebenso nicht zu leugnen: Mal hassen wir einander, mal lieben wir einander und wir stellen immer wieder erstaunt fest, dass es Dinge gibt, die wir noch nicht übereinander wussten. Aber natürlich sind es vor allem diese Überraschungen, mit denen man immer neue Facetten einer komplexen Beziehung entdeckt. Und zu einer echten Hassliebe gehören zwei Dinge zentral dazu: Das Lachen übereinander und das Lachen über sich selbst.

PremierenfieberWienerBlut
Der Rosenkavalier
OperTeaser

Die Erfindung von Traditionen

Es ist einer der zahlreichen Höhepunkte der Rosenkavalier-Partitur von Richard Strauss: Die Überreichung der silbernen Rose durch den Grafen Octavian an Sophie, die Braut des Baron Ochs auf Lerchenau. Hier schlägt nicht nur das Herz der jungen Braut, sondern auch das jedes Opernliebhabers und jeder Opernliebhaberin höher.

PremierenfieberDerRosenkavalier