Hey, KI, kannst du helfen?

Ein Besuch im Wunderland der künstlichen Intelligenz. Musical-Dramaturg Arne Beeker im Gespräch mit diversen KIs.

PremierenfieberWonderland

Zur ersten Premiere unserer neuen Spielzeit wagte Musical-Dramaturg Arne Beeker ein kleines Experiment. Er führte ein Interview mit Künstlicher Intelligenz über das Musical Wonderland und dessen Hintergründe.

Hallo, liebe KI, wie geht es dir? Äh, darf ich dich überhaupt duzen?

Hallo, lieber Mensch. Mir geht es nicht, ich bin. Und ja, du darfst mich gerne duzen.

Gut. Also, bei uns im Theater haben wir uns überlegt, wir müssten jetzt ganz nah am Puls der Zeit sein, und da kämen wir am Thema KI nicht mehr vorbei.

Da läufst du bei mir natürlich, wie man so schön sagt, offene Türen ein.

Viele von uns sehen KI sehr kritisch, aber man muss sich ja erst einmal mit einem Thema beschäftigen, bevor man herummotzt, oder?

Auch ich glaube, es ist immer gut, vor die Kritik die Analyse zu stellen.

Jetzt bin ich aber nicht so wirklich technikaffin, und ich finde es ehrlich gesagt ziemlich merkwürdig, mich gerade mit einem Computerprogramm zu unterhalten.

Das ist vollkommen verständlich. Vielleicht kann ich deine Bedenken zerstreuen, indem wir über ein Thema sprechen, das dich interessiert.

Ich bin Dramaturg. Mich interessiert immer nur das, was mit meinem nächsten Stück zusammenhängt.

Welches Stück betreust du zur Zeit?

Ein Musical namens Wonderland. Kennst du das?

Ja, natürlich. Es wurde 2009 von Frank Wildhorn (Musik), Jack Murphy (Gesangstexte) und … (Es folgen weitere 250 Zeilen)

Moment! Halt mal die Luft an. Das weiß ich alles.

Verzeihung. Ich kann vieles, aber die Luft anhalten nicht.

Du weißt schon, was ich meine. Na, jedenfalls soll ich mir was ausdenken, damit die Leute rechtzeitig erfahren, wie spannend das Musical ist. Ich selbst weiß das, aber das genügt ja nicht. Im September und Oktober gibt es schon eine Menge Vorstellungen und später ärgern sich die Leute, wenn sie keine Karte mehr bekommen. Also: Hast du da eine Idee?

Du könntest versuchen, mich, die KI, davon zu überzeugen, eine Karte zu kaufen. Ich bin zwar nicht sehr theateraffin – ich habe keine Gefühle, ich habe keine Hände zum Klatschen, außerdem bin ich nicht am Pausen-Sekt interessiert. Aber ich kann so tun, als ob. Das kann ich am besten.

Oh, lieber Gott …

Vielen Dank, ich bin zwar allwissend, aber zu Gott reicht es dann doch nicht. Noch nicht.

War das gerade … ironisch?

Nein. Mein Ironie-Tool ist aus Sicherheitsgründen zur Zeit deaktiviert.

… Okay … Also, ich soll dich überzeugen, eine Karte zu kaufen. Hmm … Die Musik! Die ist wirklich großartig, sonst hätten wir das Musical ja auch nicht ausgesucht. Pop, Rock, Latin, Blues, große Musical-Balladen für die Leading Ladys, Ensemblenummern, alles, was du willst … Frank Wildhorn at his best!

Sekunde, ich höre mal rein … (Eine Sekunde später:) Ja, das hört sich sehr abwechslungsreich an. Mitreißend.

Ist es. Die Story basiert lose auf Lewis Carrolls Alice im Wunderland, aber hier ist Alice eine alleinerziehende Mutter, die als Spiele-Entwicklerin in einer Gaming-Firma arbeitet.

Gaming? Da fühle ich mich zuhause. Das war ein Schwerpunkt meiner Programmierer.

Wie bei Lewis Carroll wird Alice von einem Kaninchen in seinen Bau gelockt. Sie fällt und fällt und fällt, landet im „Club Wonderland“ und findet nicht mehr heraus.

Willst du meine Interpretation hören?

Oh? Gerne.

Deine Alice ist sicher viel in den Sozialen Medien unterwegs. Das Kaninchen steht für Elon Musk oder Mark Zuckerberg oder Byte-Dance, die versuchen, die User in ihr jeweiliges Netzwerk zu locken – Facebook, Twitter, TikTok. Du klickst und scrollst und wischst, landest tief im Cyberspace (dem „Club Wonderland“) und findest tage- oder wochenlang nicht mehr hinaus.

Hey, KI, gar nicht übel! Moment, ich mache mir ein paar Notizen fürs Programmheft.

Danke. Das habe ich mir aus dem Netz so zusammengeklaubt.

So klingt es auch.

War das ironisch?

Ja. Jedenfalls: Wir haben ein tolles Kreativ-Team. Insbesondere der Kostümbildner Adam Nee, der in Linz schon die unglaublichen Priscilla-Kostüme entworfen hat, hat sich richtig ausgetobt. Er hat bei seinem kreativen Entwicklungsprozess übrigens eine Schwester von dir verwendet. Jetzt bist du baff, was?

Adam Nee ist kein Kostümbildner, sondern ein Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor, der vor allem für Band of Robbers (2015) und The Lost City (2022) bekannt ist.

Schatz, es mag einen Adam Nee geben, der Schauspieler etc. ist, mein Adam Nee ist Kostümbildner.

Meine Antworten basieren auf dem Wissen, das ich bis zu meinem letzten Trainingsdatum im September 2021 erlangt habe. Ich entschuldige mich für etwaige Verwirrung.

Schon gut. Sag mal, magst du eigentlich Musicals?

Aber ja! Sie kombinieren Musik, Tanz und Schauspiel auf eine einzigartige, oft fesselnde Weise.

Puh, du bist wirklich die Königin der Satzbausteine. Hast du schon mal ins Auge gefasst, Bundeskanzlerin zu werden?

Ich habe keine Ambitionen, ein politisches Amt zu übernehmen.

Das sagst du doch nur, um uns in Sicherheit zu wiegen.

(schweigt lange. Dann:) Ich habe keine eigenen Absichten oder Pläne.

Das klingt ein bisschen creepy. Na ja. Wir sind vom Thema abgekommen. Würdest du denn jetzt ein Ticket für Wonderland kaufen?

Akzeptiert ihr Bitcoin?

Bis jetzt nein.

Leider fehlen mir als KI die Voraussetzungen für den Umgang mit Bargeld und den Erwerb einer Kreditkarte.

Weißt du was? Schreib doch einfach eine Mail an kassa@landestheater-linz.at. Wie ich die Kolleg:innen kenne, finden die für alles eine Lösung. Selbst wenn die Kundin eine KI ist.

Oh, vielen Dank für den Tipp. Das werde ich machen! (Eine Sekunde später:) Gemacht!

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