Unterwegs ins Glück!

Seit einigen Spielzeiten verlässt das Linzer Landestheater lustvoll die angestammten Räumlichkeiten und bespielt oberösterreichische Theater und Gaststätten. Unterwegs wird im Restaurant Das Anton im Linzer Musiktheater in Kombination mit einem Menü serviert.

PremierenfieberUnterwegs

Raffinierte musiktheatralische Canapés waren die mittlerweile selten gespielten Operetteneinakter eines gewissen Jacques Offenbach. Nicht die Qualität seiner leichtfüßigen Miniaturen, sondern die mangelnden Aufführungsorte und -gelegenheiten für dieses Format ließen seine legendären Einakter beinahe in Vergessenheit geraten. Regisseur Gregor Horres kombiniert zwei dieser Mini-Operetten Offenbachs, Nummer 66 und Die elektromagnetische Gesangsstunde, zu einer skurril-absurden menschlichen Jagd nach dem Glück.

Es ist ein begehrtes, umworbenes Gut und doch gebärdet es sich oft wie eine launische Geliebte oder ein kapriziöser Galan. Alle sind wir ihm auf der Spur und kaum meinen wir, es erhascht zu haben, entzieht es sich wieder mit schallendem Gelächter. Dann sitzt es plötzlich neben einem wie ein alter Freund, als wäre nichts gewesen, bestellt einen Drink nach dem nächsten und schaut nicht auf die Zeit. Tricks und Tipps seiner habhaft zu werden, gibt es viele. Die Rede ist vom Glück. Die Ratgeberliteratur hat es mittlerweile umzingelt, die Glücksökonomie boomt, kein Rezept bleibt unerprobt.

Unterwegs Ensemble

Die zeitgenössischen Karikaturen zeigen Jacques Offenbach, den Jungen aus Köln-Deutz und Mozart der Champs Élysées als spindeldürres, hochaufgeschossenes Männchen mit großem Kopf; freundlich blickend, immer in Bewegung, mit tausend Dingen gleichzeitig beschäftigt, ein Getriebener. Sein reiches Künstlerleben im opernprallen Paris des 19. Jahrhunderts hatte er zunächst dem Cello, dann der Bühne gewidmet. Sein Glück fand er in der leichten Muse. Ohne seine Buffo-Opern und kleinen Einakter, die er für seine eigene Bühne, die Bouffes-Parisiens komponierte, wäre die Wiener Operette nicht möglich gewesen, hätte es die englische Savoy Opera Gilberts & Sullivans und das amerikanische Musical nie gegeben. Doch auch der so Erfolgsverwöhnte verfolgte eine unerfüllte Sehnsucht. „Etwas Höheres“, ein bleibendes Werk der Opernliteratur wollte er hinterlassen und verfehlte mit dem posthumen Erfolg von Hoffmanns Erzählungen, die er nicht mehr abschließen konnte, sein großes Glück um Haaresbreite.

Offenbachs satirisches Musiktheater, in dem er sich frech und leichtfüßig über Staat, Militär, Finanzwelt und Kirche lustig machte, ist noch immer quicklebendig. Ein Format, das leider kaum noch den Raum für Aufführungen findet, sind seine über 50 kurzen, einaktigen Mini-Operetten. Unterwegs soll diese Lücke schließen.

Unterwegs Ensemble

Eine Glückssuche so einfach wie überraschend, so alltäglich wie absurd ist es, die Regisseur Gregor Horres zum verbindenden Element seiner mobilen Produktion gemacht hat, indem er zwei dieser Operettenminiaturen, Die elektromagnetische Gesangsstunde und Nr. 66 zu einem leichtfüßigen Theaterschmankerl verbindet: Drei Menschen mit unterschiedlichen Biografien und Tragödien, auf unterschiedlichen (Lebens)Wegen treffen bei einer Rast zufällig aufeinander. Der findige Toccato verkauft Schnick-Schnack und vor allem Träume. François wartet vergeblich auf eine Bekannte und lässt sich von Toccato zu einem Experiment mit seiner Stimme überreden. Suzon, verlassen und versetzt, weiß gerade auch nicht, wie es weiter geht. Die Musik und ein Glaserl Wein bringen sie einander näher. Ein vermeintlicher Lottogewinn nährt Fantasien auf ein besseres Leben in der Zukunft. Drei Biografien verbinden sich für einen kurzen Moment zu einem turbulent-hoffnungsvollen Knoten, explodieren in Zukunftslust und trennen sich wieder. Und das Glück? Wo drei sich … gefunden haben, gesellt es sich gerne dazu.

Das Essen ist (exklusive Getränke) im Ticketpreis inkludiert. Tickets erhalten Sie im Webshop oder beim Kartenservice des Landestheaters Linz.

Weitere Themen

Katja Kabanowa
OperTeaser

Vom Klischee der bösen Schwiegermutter

„Stell die Teller weiter zum Tischrand, dass in der Mitte mehr Platz für das Essen ist.“ – Die Schwiegermutter meint es doch „nur gut“. Ein harmloser Hinweis hier, eine kleine Korrektur dort. Mal geht es eben darum, wie man den Tisch deckt, mal darum, wie man das Kind anzieht, oder wie man mit dem eigenen Sohn spricht. Nichts davon wirkt brutal oder böse. Und doch entsteht durch solche Belehrungen ein Klima, in dem man sich als Adressat:in klein vorkommt. Man hat das Gefühl, ständig unter Beobachtung zu stehen und wird dadurch unsicherer.

PremierenfieberKatjaKabanowa
Heute Nacht Fräulein
OperTeaser

Um die Welt mit Walter Kaufmann

Geschichten über Walter Kaufmann schreiben sich eigentlich von allein. Das ist zumindest das Gefühl, das entsteht, wenn man sich auch nur oberflächlich mit seiner Biografie auseinandergesetzt hat (und dabei Informationen über einen australischen Schriftsteller, der in der DDR lebte und einen deutsch-amerikanischen Philosophen als Namensvetter des Komponisten ausgesiebt hat). Denn der Komponist, Violinist, Pianist, Arrangeur, Musikethnologe und Hochschullehrer Walter Kaufmann führte ein langes Leben, das bestimmt war durch die Verwerfungen und politischen Extreme des 20. Jahrhunderts.

PremierenfieberOperetteHeuteNachtFräulein
Wonderful Town
TeaserMusical

Wonderful Town

Die Grundlage für den Musical-Klassiker Wonderful Town ist eine Serie von Kurzgeschichten im Magazin New Yorker über Abenteuer, die die junge Ruth McKenney und ihre Schwester Eileen erlebten, nachdem sie 1934 von Ohio ins New Yorker Greenwich Village gezogen waren. In ihren Geschichten war Ruth die „smarte, ernsthafte“ der Schwestern, Eileen die „hübsche, naive“. 1938 fasste Ruth die Stories unter dem Titel My Sister Eileen zusammen.
1940 adaptierten Joseph Fields und Jerome Chodorov die Geschichten für ein Broadway-Schauspiel und wenig später als Film. Ihr Plan, den Stoff auch noch als Musical herauszubringen, erwies sich allerdings als äußerst schwieriges Unterfangen. Produzenten, Stars und Songwriter kamen und gingen – oder wurden gegangen.

PremierenfieberWonderfulTown
Der zebrochene Krug / Des Esels Schatten
OperTeaser

Vom „Zerbrochenen Krug“ zu RTL

Es gab mal eine Zeit, da gab es kaum ein Entkommen vor ihnen – vor allem Sender wie RTL oder Sat.1 schworen auf sie im nachmittäglichen Programm: Die Rede ist von Gerichtsshows. Ob Richterin Barbara Salesch, Richter Alexander Holt, Das Jugendgericht oder Das Familiengericht – derartige Sendungen dominierten um die Jahrtausendwende das Sehverhalten zahlloser Fernsehzuschauer zur Kaffeezeit.

PremierenfieberDerZebrocheneKrug/DesEselsSchatten
Heute Nacht Fräulein
Operette

Heute Nacht Fräulein

Dorothy arbeitet in einem Hutladen, lebt mit ihrer Schwester in ziemlich prekären Verhältnissen, schlägt sich tagtäglich mit einem ganz netten, aber etwas anhänglichen Kollegen herum. Aber: Dorothy lässt sich nicht unterkriegen und als ihr Job sie eines Tages mit einer Lieferung Hüte ins Schloss führt, trifft sie einen Fremden, der sie sofort interessiert. Als der Grenadier sie ins Café einlädt, ist Dorothy ziemlich hin und weg (und das nicht nur von Wein und Kuchen), aber das geht nur so lange gut, wie der Soldat sein Geheimnis bewahren kann.

OperetteHeuteNachtFräulein
Niklas Wagner Autor Die Mitte der Welt
TeaserMusical

Auf Spurensuche in einem Roman

Andreas Steinhöfels 1998 erschienener Roman Die Mitte der Welt lässt sich nur schwer in eine Schublade stecken. Drückt man das Buch zehn Personen in die Hand, erhält man zehn völlig unterschiedliche Adaptionen. Worauf legt man bei der Übertragung in ein anderes Medium den Schwerpunkt? Will man eine bodenständige, alltagsnahe Coming-of-Age-Geschichte erzählen? Konzentriert man sich eher auf den Familienkonflikt oder auf die Lovestory zwischen zwei Jungs? Wie geht man mit den märchenhaften, magisch-realistischen Elementen der Vorlage um?

PremierenfieberDieMitteDerWelt
Die Mitte der Welt Ensemble
Musical

Ein Stoff – Viele Räume

Text: Alexandra-Yoana Alexandrova

Wie in der Kunst üblich, wird oft mit einem Stoff bzw. Thema in verschiedenen Genres gearbeitet. Die Frage ist: Gibt es eine Gattung, in der der Inhalt am besten hervorkommt – und wenn, dann durch welche Mittel?

PremierenfieberDieMitteDerWelt
Amor und Psyche header
TeaserTanz

Eine Frage der Liebe

Im Gespräch mit Roma Janus, Dramaturgin und Leiterin von TANZ LINZ, erzählt der belgische Choreograf Jeroen Verbruggen von seinem künstlerischen Weg, seinen Eindrücken vom Ensemble TANZ LINZ und darüber, warum sein Stück Amor & Psyche? mehr fragt als es beantwortet.

PremierenfieberTanzLinzAmor&Psyche?
Gormenghast
OperTeaser

Wider das Denken in Schubladen!

Keine:r mag sie. Jede:r gibt vor, sie zu ignorieren. Und doch hat sie sich hartnäckig in den Köpfen der Menschen (zumindest bei den Menschen des deutschsprachigen Raums) festgesetzt: Die Rede ist von der Trennung zwischen der so genannten „U-Musik“ und der „E-Musik“, zwischen „Unterhaltungsmusik“ und „Ernster Musik“. Diese Grenzziehung ist bei Lichte betrachtet genau so absurd, wie wenn es bei Lebensmitteln Kategorien wie „seriöse Erdäpfel“ und „alberne Erdbeeren“ geben würde.

PremierenfieberGormenghast