Eine völlig durchgeknallte, aber überzeugende Premiere in den Kammerspielen
Hier ist ihr Herzblatt!
Seit es Menschen auf der Welt gibt, gibt es die Liebe. Und seit es das Fernsehen als Massenmedium gibt, gibt es Dating-Shows.
Eine völlig durchgeknallte, aber überzeugende Premiere in den Kammerspielen
„Nach Ferdinand Schmalz‘ Text jedermann (stirbt), in dem der Grazer Dramatiker das Hofmannsthal’sche Werk neu erzählt, ist ein Stück zu sehen, das man Nichtdabeigewesenen am besten mit ‚exzentrisch‘ beschreibt,“ heißt es in den OÖNachrichten (Nora Bruckmüller). „Es irritiert, fordert. Hetterle gelingt das bestens – mit Wahnsinnsaugen, dem Tick, nervös zu züngeln, torkelnd, von seinem Ego besoffen. In kleinen Gesten löst er ein, was Jedermann leisten soll, das Sterben von Beginn in sich zu tragen,“ so Nora Bruckmüller. „Herrlich passend ist sie (Anm. Angela Waidmann) wie Comic-Heldin Wonder Woman samt Riesensense gekleidet.“ Ihr Fazit: „Ein mutiges, schön irritierendes Theater…“
Andreas Huber vom OÖ Volksblatt berichtet von einer „gelungenen Premiere“. „Unter der Anwesenheit des Autors Ferdinand Schmalz feierte Freitagabend sein mit dem Nestroy-Autorenpreis ausgezeichnetes Theaterstück jedermann (stirbt) eine völlig durchgeknallte, aber überzeugende Premiere.“ „Herausgekommen ist ein Werk zwischen derbem Volkstheater und sprachgewaltiger Poesie, das durch die moderne Inszenierung von Katka Schroth mit viel Popkultur zu einem knallbunten Abend wurde. … Hier ist Jedermann – herausragend gespielt von Alexander Hetterle – Investmentbanker, ein Profiteur einer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die auf Ausbeutung und Gewinnmaximierung basiert. … Großer Beifall!“
Auch Der Standard mag unseren Jedermann: „Regisseurin Schroth hat die Figuren entschlossen von der Lehrstückpatina befreit und trumpft mit einer fantastischen Comic-Lesart auf“, schreibt Margarete Affenzeller in Der Standard. Weiter heißt es: „Sie schieben sich, Karotten leckend und laut knackend, kokett vom Bühnenrand herein und kündigen in einem der schönsten Theaterintros überhaupt das ‚alte Möhrchen‘ vom Jedermann an.“
Seit es Menschen auf der Welt gibt, gibt es die Liebe. Und seit es das Fernsehen als Massenmedium gibt, gibt es Dating-Shows.
Kennen Sie den Bechdel-Test? Er besteht aus drei Fragen, anhand derer festgestellt werden kann, wie frauenfeindlich ein Film oder ein Theaterstück ist. Erfunden hat ihn die amerikanische Comiczeichnerin Alison Bechdel 1985, als Schnelltest, ob ein Spielfilm wert ist, angeschaut zu werden. Die Fragen lauten: Gibt es mindestens zwei Frauenrollen? Sprechen sie miteinander? Reden sie miteinander über etwas anderes als über einen Mann? Falls Sie diese Fragen zum ersten Mal hören, gebe ich Ihnen etwas Zeit, sie auf sich wirken zu lassen.
Ödön von Horváth teilt das Schicksal vieler (wenn nicht aller) österreichischen Theaterklassiker: Wie bei Arthur Schnitzler, Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek (um nur die zu nennen) werden seine Stücke, wenn nicht gleich verboten, so doch bei ihrem Herauskommen als Nestbeschmutzungen verschrien. Das werden sie aber nur, um wenige Jahrzehnte später in das Kernrepertoire der österreichischsten aller Bühnen, des Theaters in der Josefstadt aufgenommen zu werden (und damit geradewegs ins immaterielle österreichische Kulturerbe). Man könnte sagen, wenigstens an dieser Merkwürdigkeit ist Ödön von Horváth unschuldig. Er ist aber auch darüber hinaus ein entschieden doppelgesichtiger Autor, dessen Person und Werk von Widersprüchen häufig wie zerrissen scheint.
Die Regisseurin Susanne Lietzow inszeniert am Landestheater Linz Die Bettleroper nach John Gay und Johann Christoph Pepusch. Das Singspiel aus dem Jahr 1728 schildert den Kampf zweier Könige der Londoner Unterwelt, des Hehlers Peachum mit dem Räuber Macheath. Die Rivalität eskaliert, als Macheath die Tochter Peachums, Polly, heiratet. Susanne Lietzow hat das Stück, zusammen mit dem Musiker und Komponisten Gilbert Handler, neu geschrieben. Wir treffen sie kurz vor Probenbeginn im Landestheater.
Wer mit Lisa Wentz über Theater spricht, spürt sofort ihre Begeisterung für das „Kraftwerk der Gefühle“ – so nennt es der Schriftsteller Alexander Kluge. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen stets die Figuren: ihr Ausdruck im Hier und Jetzt, ihr Agieren in der konkreten Situation. Ein Agieren, das Emotionalität und Biografie widerspiegelt. Aus diesem Kern entwickelt die Autorin ihre Geschichten.
Manche Vorurteile sind so hartnäckig wie Kaugummi auf Schuhsohlen. Sie sind praktisch, weil sie die Welt vereinfachen und – vielleicht noch wichtiger – eine Bewertung liefern. Vorurteile werten ab und werten gleichzeitig das auf, was sich über das Abgewertete erhebt. Ihre Hartnäckigkeit verdanken sie einer wirkmächtigen Dichotomie von „oben“ und „unten“.
Mit einem vielfältigen Programm rund um „80 Jahre Kriegsende“ wird das Landestheater Linz Erinnerungskultur aktiv gestalten und Räume für gemeinsame Reflexion bieten.
Selten bringt ein Begriff die Gemüter mit größerer Sicherheit in Wallung als jener der „Identitätspolitik“. Vom rechten politischen Spektrum ohnehin zum Kampfbegriff erhoben – obwohl dort ebenfalls Identitätspolitik betrieben wird, aber das nur nebenbei – schafft es der Streit um die Identität zuverlässig, die Fronten zu verhärten. Doch warum? Was hat es mit diesem Schlagwort eigentlich auf sich, welches seit einigen Jahren die Debatten beherrscht, egal ob im Feuilleton oder in den sozialen Medien und wer kämpft da eigentlich gegen wen?
Immer mehr Menschen stehen heute unerwartet vor der Situation, plötzlich Chef zu sein. Da heißt es Führungsstärke unter Beweis stellen, kompetent sein, die richtigen Entscheidungen treffen. Nicht zuletzt: Compliance! Rumschreien, dickes Spesenkonto, mangelnder Respekt vor Mitarbeiter:innen: Das war gestern. Heute muss ein Chef wissen, wie er oder sie auch die leisen Töne anschlägt, nicht den eigenen Vorteil sucht, Grauzonen systematisch aus dem Weg geht.