Die „Ismen“ gehen um. Nicht nur in Europa, sondern überall. Karl Marx nannte seinen einst Kommunismus. Mussolini prägte den Faschismus. Und um die Reihe der altbekannten Ideologien komplett zu machen, muss natürlich auch der Liberalismus und der Konservatismus erwähnt werden. Und allesamt kreisen bis heute um einen zentralen „Ismus“, arbeiten sich an ihm ab, bejahen ihn, verneinen ihn, aber um ihn herum kommen sie alle nicht: Der Kapitalismus; im politischen Kontext gerne auch als Neoliberalismus bezeichnet.
Die zwei Gesichter des Ödön von Horváth
Ödön von Horváth teilt das Schicksal vieler (wenn nicht aller) österreichischen Theaterklassiker: Wie bei Arthur Schnitzler, Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek (um nur die zu nennen) werden seine Stücke, wenn nicht gleich verboten, so doch bei ihrem Herauskommen als Nestbeschmutzungen verschrien. Das werden sie aber nur, um wenige Jahrzehnte später in das Kernrepertoire der österreichischsten aller Bühnen, des Theaters in der Josefstadt aufgenommen zu werden (und damit geradewegs ins immaterielle österreichische Kulturerbe). Man könnte sagen, wenigstens an dieser Merkwürdigkeit ist Ödön von Horváth unschuldig. Er ist aber auch darüber hinaus ein entschieden doppelgesichtiger Autor, dessen Person und Werk von Widersprüchen häufig wie zerrissen scheint.












