Auf der Bühne des Linzer Schauspielhauses rührt der Tanz an den Reservoirs der Vergangenheit und lässt Erinnerung und Gegenwart aufeinandertreffen. Die Soiree erprobt Annäherungen durch die vielschichtige Welt des internationalen Tanzes. Die Linzer Monika Leisch-Kiesl & Joachim Leisch antworten mit ihrer Tango Argentino Performance auf einen knapp 10-minütigen Ausschnitt von Gdzie są niegdysiejsze śniegi / Where Are the Snows of Yesteryear von Tadeusz Kantor in einer Aufnahme von 1984.
Tadeusz Kantor (1915–1990), eine der außergewöhnlichsten und wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, wird als der absolute Künstler betrachtet – herausragend, zeitlos und Schöpfer nicht nur von Happenings, Bildern und Theaterstücken, sondern vor allem von Symbolen, die tief in die menschliche Seele eindringen. Wer war dieser Mann, der sein ganzes Leben damit verbrachte, nicht nur die Bühne zu beherrschen, sondern auch seine eigenen Ängste zu erforschen? Ein Mann, der aus seiner eigenen Erinnerung eine universelle Sprache schuf. International bekannt wurde er insbesondere durch das von ihm 1955 begründete und über Jahrzehnte geleitete Cricot 2-Theater, eine in Krakau aktive Keimzelle jungen, avantgardistischen und kritischen Theaters.
Das Stück Die tote Klasse wurde mehr als eintausendfünfhundert Mal in vielen Ländern aufgeführt und 1976 von der US-amerikanischen Newsweek als „die beste Theaterproduktion der Welt“ bezeichnet – eine Geschichte über die Unmöglichkeit, in die Vergangenheit zurückzukehren. Die weltweiten Auftritte von Cricot 2 führten den Künstler in den späten 1970er und 1980er-Jahren auch mehrmals nach Argentinien, wo er mit der dortigen Tangoszene zusammentraf und von wo er eine beachtliche Musiksammlung an Klassikern des Tango Argentino mitbrachte.













