Zwischen Diesseits und Jenseits
Gespräch mit Falko Herold – dem Bühnenbildner und Videokünstler
Die Vorlage von Jean-Paul Sartre erzählt von einer Welt zwischen Leben und Tod. Wie sind Sie an die Entwicklung des Bühnenraums herangegangen?
Ausgangspunkt war die Idee, dass Sartres Jenseits dem Diesseits erstaunlich ähnlich ist. Es gibt keine himmlischen Wolken oder Erlösung, sondern vielmehr eine Fortsetzung der bestehenden Welt. Deshalb wollte ich den Raum auf das Wesentliche reduzieren. Die zentrale Idee war eine Wand, die eine Grenze markiert – zwischen Leben und Tod, Diesseits und Jenseits. Daraus entwickelte sich eine Bühne, die zugleich Trennung und Verbindung darstellt.
Die Bühne wirkt wie ein geschlossener, fast hermetischer Raum. War das beabsichtigt?
Ja. Sartres Figuren sind zwar tot, aber nicht befreit. Sie bleiben Beobachter:innen ihrer eigenen Geschichte und können nichts mehr verändern. Diese Vorstellung hat mich stark beschäftigt. Deshalb entstand die Idee eines raumartigen Gefäßes, beinahe wie eines Bleisargs oder Gefängnisses. Die Figuren bewegen sich in einem System, das ihnen Grenzen setzt und aus dem es kein wirkliches Entkommen gibt.
Eine Besonderheit des Bühnenbilds ist die Drehwand. Welche Funktion hat sie?
Die Drehwand trennt nicht nur verschiedene Räume, sondern verändert auch die Perspektive des Publikums. Je nachdem, wo man sitzt, erlebt man bestimmte Szenen unterschiedlich. Mich interessiert die Vorstellung, dass nicht alle Zuschauer:innen exakt dasselbe sehen. Im besten Fall entstehen nach der Vorstellung Gespräche darüber, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen waren und wie sich daraus ein Gesamtbild zusammensetzt.
Sie arbeiten erstmals an einem Tanzstück. Was hat Sie daran besonders überrascht?
Der hohe Grad an Abstraktion. Im Tanz bewegt man sich ständig zwischen erzählerischen Momenten und offenen Bildern. Das eröffnet Freiheiten, die ich aus Oper und Schauspiel so nicht kenne. Besonders spannend war für mich die Arbeit mit den Tänzer:innen. Sie entdecken Möglichkeiten im Raum und mit den Objekten, auf die ich selbst nie gekommen wäre. Dadurch wird der Bühnenraum zu etwas sehr Lebendigem.
Welche Rolle spielen die Videoeinspielungen in der Inszenierung?
Die Videos erweitern und irritieren den Raum. Einige der Bilder sind bewusst so gestaltet, dass man nicht mehr eindeutig unterscheiden kann, wo die Grenzen des Bühnenbilds verlaufen und wo die Realität beginnt. Da Das Spiel ist aus von einer Welt zwischen Leben und Tod erzählt, entsteht eine surreale Ebene, die sich durch das Video besonders gut sichtbar machen lässt.
Was wünschen Sie sich, dass das Publikum aus dieser visuellen Welt mitnimmt?
Ich hoffe, dass die Zuseher:innen ihre eigene Perspektive hinterfragen und sich auf Mehrdeutigkeiten einlassen. Nicht alles muss eindeutig lesbar sein. Raum, Bewegung und Musik erzeugen offene Bilder, die jede und jeder individuell ergänzt.