„Le Prophète ist ein Meisterwerk“

  • 21. September 2019
  • |
  • Text: Redaktion

Markus Poschner, Chefdirigent des Bruckner Orchester Linz, über Giacomo Meyerbeers packende Oper

Meyerbeers „Le Prophète“ gehört zu den temperamentvollsten und beeindruckendsten Partituren, die mir überhaupt je untergekommen sind. Ich gebe gerne zu, dass auch meine Neugierde bisher immer von anderen Großwerken und Herausforderungen des Repertoires ausgebremst und überlagert wurde. Es war mir schon klar, dass da eventuell eine völlig verborgene musikalische Welt auf mich warten würde, nur, diese zu betreten, ergab sich eben nicht von alleine. Umso dankbarer war ich unserem Intendanten Hermann Schneider, der mir schon vor Jahren den Tipp gab, diesen „Le Prophète“ einmal in die Hand zu nehmen und durchzublättern.

Allein schon die Lektüre der Partitur überraschte mich sofort: ein unglaublich dichtes Geflecht an Farben, Stimmungen, gepaart mit Orchester-Virtuosität und Stimmakrobatik. Keine Sekunde der Langeweile, ständig und überall lauern überraschende Momente und Effekte, zarte Klangflächen und fantastische Melodien. Dabei erschien einem alles auf den ersten Blick gar nicht so unbekannt: Dramatik wie bei Verdi, Intensität wie bei Wagner und Stimmbehandlung wie bei Puccini, gepaart mit der düsteren und geheimnisvollen Atmosphäre eines „Freischütz“ oder „Holländer“. Nur mit dem Unterschied: Meyerbeer war ja sozusagen der Erfinder dieses musikalischen Kosmos, er war der Erste, der ein Orchester so erklingen lassen konnte, wie nach ihm eben nur die bekanntesten und berühmtesten Opernkomponisten.

Jeffrey Hartman, Matthäus Schmidlechner, Adam Kim, Chor | Foto: Barbara Pálffy

Meyerbeer, der Solitär also? Kein Wunder, dass Richard Wagner am Anfang seiner Karriere blass vor Bewunderung zum Meister Meyerbeer regelrecht aufblickte. Der Rest der unrühmlichen Geschichte dieser Beziehung ist bekannt und schnell erzählt: Von Neid und Antisemitismus zerfressen, ließ Wagner später kein gutes Haar mehr an seinem Lehr-meister und Konkurrenten um die besten Aufträge.

„Le Prophète“ ist ein Meisterwerk, daran besteht überhaupt kein Zweifel, das aufgrund vieler ungerechter Widrigkeiten der Geschichte über die Jahrhunderte hinweg an den Rand des Repertoires gedrückt wurde und dort nahezu unerhört auf seine Entdeckung wartete.

Meyerbeers Siegeszug zur Mitte des 19. Jahrhunderts war ja nur ein kurzer gewesen. Er, der in Berlin aufwuchs und mit Carl Maria von Weber zusammen studierte, stieß das Tor zur musikalischen Neuzeit ganz weit auf und erfand sozusagen wie nebenbei die große französische Operntradition. Ohne seine Impulse wäre wohl die restliche Operngeschichte gar nicht vorstellbar. „Kommt das Genie und wirft uns in andere Bahnen – der Prophet der neu-en Welt!“ Genau diese Worte notiert Wagner, nachdem er „Le Prophète“ in Paris erlebt hatte. Besser kann man dieses im besten Sinne europäische Phänomen Meyerbeer wohl nicht beschreiben. Ich wünsche Ihnen unvergessliche Stunden und viel Freude mit diesem großartigen Opernwerk bei uns im Musiktheater!

Ihr Markus Poschner

Weitere Themen

Oper OPER ALS FLOTTE TÜR-AUF-TÜR-ZU-KOMÖDIE
  • 9. März 2020

OPER ALS FLOTTE TÜR-AUF-TÜR-ZU-KOMÖDIE

„Heiter bis komisch!“ „Amüsantes Vergnügen garantiert die komische Oper Il Matrimonio Segreto in der BlackBox des Musiktheaters. Das junge Ensemble – Mitglieder des OÖ Opernstudios – glänzte bei der Premiere mit Spielwitz, Stimme und Humor,“ zeigt sich Fred Dorfer von der Kronen Zeitung begeistert. „Die Inszenierung von Gregor Horres beflügelte die Darsteller in den Verstrickungen und heiteren Missverständnissen zu [...]

Schauspiel DIESE NORA STAMMT AUS EINER ANDEREN WELT!
  • 25. Februar 2020

DIESE NORA STAMMT AUS EINER ANDEREN WELT!

Am Samstag, 22. Februar hatte Elfriede Jelineks Drama Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte in der Inszenierung von Charlotte Sprenger seine bejubelte Premiere in den Kammerspielen. In der Titelrolle begeisterte Anna Rieser, NESTROY-Preisträgerin 2019 (Bester Nachwuchs) das Publikum. Hier können Sie die Essenzen aus den Pressestimmen nachlesen.

Schauspiel EIN DRAMATISCHES MEISTERSTÜCK
  • 13. Februar 2020

EIN DRAMATISCHES MEISTERSTÜCK

„Viele Bravo-Rufe!“ „Glücklich ist jene Generation in ferner Zukunft, die Gotthold Ephraim Lessings Aufklärungs- und Toleranztext Nathan der Weise nicht mehr nötig haben wird. Noch sind wir weit davon entfernt, deshalb sei hier die kluge Nathan-Inszenierung von Regisseurin Katrin Plötner empfohlen!“ lautet die Empfehlung von Peter Grubmüller in den OÖNachrichten. In seiner Kritik berichtet er von einem „gescheit [...]

Oper FULMINANTE PREMIERE! LINZ IM VERDI-RAUSCH!
  • 15. Januar 2020

FULMINANTE PREMIERE! LINZ IM VERDI-RAUSCH!

Als „Verdi-Rausch“, als „Perle für das Ohr“ und als „Muss für alle Liebhaber italienischer Oper“ wurde unsere Produktion Il trovatore von der Kritik nahezu hymnisch aufgenommen. Von „Ovationen für die Sänger“ ist zu lesen, und tatsächlich sind an diesem Abend Stimmen aus dem La Fenice in Venedig, aus Paris, aus der Arena di Verona, aus Covent Garden in London und aus dem Großen Festspielhaus in Salzburg zu hören.

Schauspiel ZUM NIEDERKNIEN KOMISCH | EIN SCHAUSPIEL-KUNSTSTÜCK
  • 5. November 2019

ZUM NIEDERKNIEN KOMISCH | EIN SCHAUSPIEL-KUNSTSTÜCK

„Bernhards Ritter, Dene, Voss in der fein dosierten Regie von Stephan Suschke ist ein Schauspiel-Kunststück“ „Ohne langen Anlauf entwickelt Suschke zusammen mit Katharina Knap (Dene) und Theresa Palfi (Ritter) eine Atmosphäre, die den noch Abwesenden zum Götzen erhebt, schreibt Peter Grubmüller in den OÖNachrichten. „Behutsam greift Bernhards Witz.,“ heißt es weiter. „Nicht die Brandteigkrapfen zünden das Feuerwerk, sondern [...]

Tanz Für alle Choreograf*innen eine Versuchung.
  • 22. Oktober 2019

Für alle Choreograf*innen eine Versuchung.

Mit Le Sacre du printemps provozierte Igor Strawinsky einen der größten Skandale der Tanzgeschichte. Tanzdirektorin und Choreografin Mei Hong Lin wächst seit vielen Jahren einer eigenen Interpretation dieses Meisterwerkes entgegen. Gemeinsam mit Chefdirigent Markus Poschner und dem Bruckner Orchester Linz stellt sie sich dieser Herausforderung.

Video Still - LE PROPHÈTE (DER PROPHET) – Der Trailer
  • 26. September 2019

LE PROPHÈTE (DER PROPHET) – Der Trailer

Musikalisch packend, ja sein Publikum nachgerade überfahrend mit der Wucht seiner Kompositionen sind Meyerbeers Opern totales Theater. Davon kann man sich nun im Landestheater bei der 1849 in Paris mit sensationellem Erfolg uraufgeführten Oper Le Prophète überzeugen.

Tanz EIN GENUSS FÜR DIE SINNE
  • 28. Mai 2019

EIN GENUSS FÜR DIE SINNE

Kraftvolle Perfektion „Man konnte nur staunen bei der Uraufführung des Tanzstücks Yama von Ashley Lobo in der BlackBox des Linzer Musiktheaters,“ zeigt sich Jasmin Gaderer (Kronen Zeitung) begeistert. „So perfekt, so punktgenau saß jede Bewegung der zahlreichen Tänzer, dass man sich als Zuschauer komplett mitreißen lassen konnte von den kraftvollen, archaischen Szenen“, heißt es in der Kronen [...]

Operette FLOTT, SCHWUNGVOLL, HEFTIG BEKLATSCHT & RIESIGER JUBEL
  • 10. Dezember 2018

FLOTT, SCHWUNGVOLL, HEFTIG BEKLATSCHT & RIESIGER JUBEL

Äußerst unterhaltsam Die Premiere von Der Vogelhändler wurde heftig beklatscht und umjubelt. Das Fazit von Michael Wruss in den OÖNachrichten: „Ein Operettenklassiker mit genialer Musik im klassischen Gewand, der das Publikum restlos begeisterte.“ „Matthäus Schmidlechner macht als Adam eine ideale Figur und tollt mit spürbarem Spaß als Tiroler über die Bühne. ... Wirklich begeisternd war [...]

Musical STANDING OVATIONS FÜR DEN JÜNGSTEN MUSICAL-HIT
  • 29. November 2018

STANDING OVATIONS FÜR DEN JÜNGSTEN MUSICAL-HIT

Die Premiere von „Ein Amerikaner in Paris begeisterte in Linz“ steht auf der Titelseite der OÖNachrichten. Heftig umjubelt und unter Standing Ovations feierte der „jüngste Musical-Hit“ (Kronen Zeitung) am Sonntag seine deutschsprachige Erstaufführung. „Dieser Amerikaner fühlt sich nicht nur in Paris, sondern auch in Linz sichtlich wohl“, zieht Martin Fichter-Wöß“ Bilanz in der APA. Helmut Atteneder von [...]

Schauspiel ÜBERRAGEND, PRÄCHTIG, BRILLANT, EIN EREIGNIS
  • 8. Oktober 2018

ÜBERRAGEND, PRÄCHTIG, BRILLANT, EIN EREIGNIS

Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben begeisterte nicht nur das Publikum. Auch die Pressestimmen sind euphorisch und der Meinung, dass sich „Ein Erfolgslauf abzeichnet“ (Neues Volksblatt). Für Philipp Wagenhofer vom Neuen Volksblatt ist „Christian Hilger als Boanlkramer ein Ereignis“. „Es ist eine muntere, mit Pause zweidreiviertel Stunden dauernde Inszenierung, die Markus Völlenklee auf die Bühne zaubert“, so Wagenhofers Resümee.

Oper Fulminanter Auftakt und ein denkwürdiger Abend
  • 18. September 2018

Fulminanter Auftakt und ein denkwürdiger Abend

„Mit der glanzvollen Premiere von Richard Wagners Oper Tristan und Isolde startete das Linzer Musiktheater in die neue Saison. Das Zentrum des Abends war das Bruckner Orchester unter Markus Poschner.“, heißt es auf der Titelseite des Neuen Volksblatts (Paul Stepanek) , angesichts der Eröffnungspremiere im Musiktheater samt Public Viewing, das zum großen Eröffnungsfest im Park wurde.