Text: Alexandra-Yoana Alexandrova
Wie in der Kunst üblich, wird oft mit einem Stoff bzw. Thema in verschiedenen Genres gearbeitet. Die Frage ist: Gibt es eine Gattung, in der der Inhalt am besten hervorkommt – und wenn, dann durch welche Mittel?
Ein Orientierungsversuch durch die Räumlichkeiten der Mitte der Welt
Text: Alexandra-Yoana Alexandrova
Wie in der Kunst üblich, wird oft mit einem Stoff bzw. Thema in verschiedenen Genres gearbeitet. Die Frage ist: Gibt es eine Gattung, in der der Inhalt am besten hervorkommt – und wenn, dann durch welche Mittel?
Es handelt sich also hierbei um (reproduzierte) Narrative, die die Grenzen verschiedener Kunstformen zu überschreiten vermögen, um immer wieder neue Ausdrucksweisen anzunehmen. Sie schlüpfen in unterschiedliche Darstellungs-Konstrukte, ob live oder aufgenommen, die den Rezipient:innen dementsprechend auch variierte Einblicke bieten. Ob beispielsweise a) im Roman der innere Monolog einer Figur mitgelesen werden kann und eine persönliche Identifikation mit den Protagonisten ermöglicht wird; oder b) bestimmte Regieanweisungen eines Filmscripts oder Bühnen-Librettos nur äußerlich sichtbar sind; oder c) ob bei visuell dargestellten Darbietungsformen die Regie einen direkten Szenenausdruck an die Zuschauer:innen vorgibt, wohingegen im Buch die eigene Fantasie angeregt und gefördert wird; … es gibt viele Beispiele, die einen Vergleichswert liefern können und für die es sich lohnt, einen vertieften Blick zu investieren.
Der Ursprung von Die Mitte der Welt lag 1998 im literarischen Bereich als Roman von Andreas Steinhöfel. 2016 wurde der Stoff in einen Spielfilm umgewandelt. Danach – vom aufgenommenen Zustand auf der Leinwand – landete er ab 2017 auf den Sprechtheater-Bühnen in Österreich und Deutschland, und ab 24.01.2026 wird er – zum ersten Mal mit musikalischer Gestaltung – in Form einer Musical-Uraufführung auf die Blackbox-Bühne des Landestheaters Linz gebracht. Vier verschiedene Genres, in denen ein- und derselbe Stoff behandelt wird.
Im Musiktheater und spezifischer im Genre des Musicals kommt, im Vergleich zu den vorherigen Gattungen, ein weiteres Gestaltungselement hinzu und eröffnet damit eine neue Raum-Dimension: die Live-Musik. Sie ist Teil von sowohl Gesang als auch Tanz und von zentraler Bedeutung für das GenreMeistens wird die Musik live von einem Orchester oder einer Band gespielt. Die Musik kann mit anregender Fantasie viele Sinne des Publikums aktivieren und lässt damit die Aufführung als Ganzes mit einer Art „3D-Effekt“ wirken. Dies ermöglicht die Musik, weil sie aus allen Richtungen auf das Gehör einwirkt und das menschliche Gehirn anders animiert als nur gehörte Sprache. Können dabei jedoch die Zuschauer:innen noch die Orientierung zum Wesentlichen finden, ohne durch Reizüberflutung abgelenkt und vom geradlinigen, zielgerichteten Weg abgebracht zu werden? Wo ist die „Mitte der (Spiel-)Welt“ dann? Das Musical als Genre, bei dem Gesang, Tanz und Schauspiel verbunden werden, fordert eine Art Umstellung und Veränderung des Inhalts, um ihn auf eine neue Weise zu vermitteln.
In der Literatur wird hauptsächlich die erzählende Ebene verwendet, mit detaillierten Beschreibungen der Milieus und Situationen sowie der Figurenkonstellationen und der Figureninnenwelten. Der Film wiederum arbeitet hauptsächlich mit visuellen Mitteln. Er verdichtet mit Bildern und fördert die emotionale Anteilnahme durch rhythmisierte (oftmals musikalisch stimulierte) Schnitte, Montage-Kompositionen, Nahaufnahmen, Farben und symbolische Raumgestaltung, die durch die Kamera sowohl Nähe als auch Distanz erzeugen kann. Die Bühne eröffnet andererseits einen festen realen Handlungs- und Spielraum mit Live-Qualität und sogar nicht reproduzierbaren Momenten, die im Zusammenspiel mit dem Publikum und dessen Reaktionen „passieren“. Die geografischen Räumlichkeiten sind im Theater definitiv begrenzter als in der Literatur oder im Film, jedoch führt genau dies zu einer konzentrierteren Begegnung zwischen Live-Rezipient:innen und Darsteller:innen. Und speziell das Musiktheater mit seiner Musik als Überbringer von Gefühlen und generell als emotionaler Verstärker bringt die Gedanken und Worte in eine bestimmte Form und gibt dem Live-Erlebnis noch eine Art Überhöhung, die jedoch sowohl die Darsteller:innen als auch das Publikum von der wahrgenommenen Realität entfremden kann. Das subjektive Erlebnis der Figuren wird kollektiviert durch die Übertragung der Musik und führt zu einer gemeinsamen Erfahrung der Darsteller:innen in deren Figuren und des Publikums im gleichen physischen Raum. Die Musik wird dabei zum Träger psychologischer Prozesse. Dies ist in dieser Form im Sprechtheater nicht vorhanden und wird im Film nur in der Nachbearbeitung hinzugefügt – diese Nachbearbeitung kann jedoch nur im Kinosaal für eine eventuelle gemeinsame Publikumserfahrung sorgen, wird allerdings meist isoliert vor dem eigenen Wiedergabegerät erlebt. Ein (Sprech-)Monolog wird im Musical als Solo-Song dargeboten, untermalt von einer musikalischen Atmosphäre (als eine Art Extraschicht darübergelegt), und ein Streitgespräch wird zum Duett oder sogar zu einer Ensemble-Nummer. Damit wird für kurze Zeit – gleichgestellt zum Film – eine Art „Zoom“ eingefügt, was die Handlung verlangsamt oder sogar anhält, um detailliert nur den Fokus auf die Innenwelt der Singenden zu richten und damit einen neuen Einblick zu bieten. Dabei entsteht auch ein neuer Zugang zur Figurenpsychologie. Im Film wird für innere Gedanken beispielsweise ein Voice-Over, welches über wechselnde Bilder gelegt wird, verwendet, und im Sprechtheater ein gesprochener Monolog (manchmal sogar ein „Beiseite-Sprechen“, wenn die vierte Wand zum Publikum durchbrochen wird und das Publikum direkt miteinbezogen wird). Die Bühne wird zum semantisch aufgeladenen (bedeutungstragenden) Spielraum und Reflexionsraum zugleich.
Die Musik in Form von Gesang ist beim Musical allerdings nicht das einzig neue eingefügte Element, es wird noch ein weiterer Raum eröffnet: Tanz in Kombination mit instrumentaler Musik oder mit gleichzeitigem Gesang (im Musical das typischste Hauptmerkmal) kommt noch hinzu. Wie kann ein Körper in strukturierte und bewusst geführte Bewegung gesetzt werden, um dessen Innenwelt darzustellen, ohne es künstlich wirken zu lassen, die Rezipient:innen noch mehr zu entfremden oder sogar vom Inhalt zu desorientieren?
Ziel des Musicalgenres ist allerdings, alle Formen in einer großen in sich stimmigen Form zu vereinen. Jedoch hat es auch seine Spezifika: Musik (ob mit Gesang oder Tanz) löst nicht nur in Darsteller:innen Emotionen aus, sondern auch im Publikum. Dazu muss dramaturgisch der passende Text bzw. die richtige Choreografie gewählt werden, sodass die Figur bestmöglich ihre innere Welt darstellen kann und auf natürliche Weise von den Rezipient:innen verstanden werden kann. Das heißt, im Musical müssen gleich mehrere Ebenen bedient werden, und zwar live und in physischer Form, und nicht wie z. B. im Film, bei dem nach dem Dreh in technischer Form eine Postproduktion erfolgt, die ohnehin in einem ganz anderen Raum passiert.
Dramaturgisch gesehen stellt der Stoff von Die Mitte der Welt keinen linearen Handlungsstrang dar, sondern eine Abfolge innerer Zustände, und zwar zwischen den kindlichen und erwachsen gewordenen Figuren, und damit ergibt sich keine typische Kausalität, sondern eine strukturierte Dramaturgie der Übergänge. Nicht das Ereignis, sondern der Prozess ist im Mittelpunkt. Damit kommt die Postdramatische Dramaturgie des Theatrologen Hans-Thies Lehmann zum Ausdruck. Auch Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte beschreibt eine Inszenierung als Spannungsverhältnis von Präsenz und Repräsentation, das für sie eine Grundbedingung des Theaters ist, was im Falle dieser Inszenierung am Landestheater Linz durch die BlackBox konkret gegeben ist. Judith Buhr erörtert, dass Geschlecht und Selbstverortung nicht die Essenz des Theaters sind (was in Die Mitte der Welt bei Phils Identitätssuche durchaus thematisch Relevanz hat); Theater ist für sie eine wiederholte Handlung (im Spiel) innerhalb normativer Rahmenbedingungen. Ein Merkmal des Theaters ist die Wiederholbarkeit. Und was das Sprechtheater mit dem Musical gemeinsam hat, ist genau diese Reproduktivität – denn wenn z. B. der Film einmal aufgenommen ist, wird er nur noch abgespielt, aber nicht mehr von den Schauspieler:innen bespielt. Die Bühne wird jedoch bei jeder Vorstellung neu bespielt, und damit werden auch die Handlungen und die Figuren jedes Mal neu und unterschiedlich zum Leben erweckt, trotz des gleichbleibenden Materials. Auch werden die Rollen oft von unterschiedlichen Darsteller:innen gespielt, welche die Rolle auch unterschiedlich gestalten und reproduzieren. Im Film spielt nur ein Schauspieler nur einmal seine Rolle, und damit ist der Prozess doppelt einmalig. Somit wird auch für die unterschiedlichen Genres unterschiedlich dramaturgisch geschrieben. In einem Interview von Christina Brause mit dem Autor des Romans, Andreas Steinhöfel, sagt dieser auch, dass er sich beispielsweise nicht in das Schreiben des Film-Drehbuchs eingemischt hat und später überrascht war, wo der Fokus der Story lag – nämlich auf einem anderen Hauptaugenmerk des Stoffes, als er ihn ursprünglich für den Roman angedacht hatte.
Spezifisch zum Spielen in den unterschiedlichen Räumen selbst kann ich als Musicaldarstellerin, Schauspielerin und Theaterwissenschaftlerin aus mehreren Perspektiven sprechen, inklusive der dramaturgischen. Es ist für alle Parteien (ob Dramaturg:innen oder Darsteller:innen) wesentlich und unterschiedlich, in welchem Genre man spielt oder für welches Genre man schreibt. Es ist ein Unterschied, ob man nur spricht (bzgl. der Räumlichkeiten, ob auf der Bühne oder vor der Kamera) oder auch gesanglich und tänzerisch agieren muss. Daher bedeutet das für Musicaldarsteller:innen eine besondere Form der Verkörperungsarbeit – die Figur ist kein abgeschlossener Charakter, sondern ein Zustand, der sich im Spiel ständig neu herstellt. Daher folgt dies auch der Performativen Logik, so wie es im sogenannten Postdramatischen Theater von Hans-Thies Lehmann beschrieben wird. Das Theater bietet zudem ein Spannungsfeld zwischen den Darsteller:innen als reale Menschen und den darzustellenden fiktiven Figuren, das Vokalisierung und Körper benötigt (was sicherlich auch für das Sprechtheater gilt). Durch die Dimension der Musik jedoch arbeiten Musicaldarsteller:innen an der Schnittstelle von Körper, Stimme und musikalischer Struktur – d. h. an dem Punkt, wo sich diese kreuzen, und damit an allem gleichzeitig. Sie können sich nicht nur der Emotion hingeben, wie wenn sie nur alltäglich normal sprechen und reagieren, sondern müssen ebenfalls auf Techniken, Rhythmen und in der Musik enthaltene Formen achten, sodass sie in eine Doppelfunktion und damit auf eine andere Ebene gebracht werden. Denn die Emotion müssen sie dennoch fühlen und weitergeben, und das erfordert eine doppelte Präzision von Kontrolle und emotionaler Durchlässigkeit. Diese Doppelpräsenz haben jedoch alle Schauspieler:innen/Darsteller:innen gemeinsam – sie sind sie selbst und die Rolle zugleich. Speziell im Musical jedoch wird die Figur lebendig auf allen ihren Sinnesebenen. Musical ist auch für mich als Darstellerin, genau wegen des gleichzeitigen Bedienens aller Elemente, die schwierigste Gattung zum Spielen und trotzdem auch das Genre, das meiner Meinung nach am meisten aus einem Stoff in all seinen Facetten herausholen kann.
Im Telefonat mit der Regisseurin der Musical-Uraufführung von Die Mitte der Welt, Karoline Gable, erwähnte Steinhöfel, dass er sich sehr über eine Adaption seines Stoffes als Musical freue. Er finde, dass man im Musical viele Möglichkeiten hat, durch die Verwendung von Musik emotionale Zustände oder z. B. die Flashbacks der Figuren darzustellen.
Dass ein Stoff all diese Schritte in verschiedene Gattungen gehen kann, verweist auf eine zeitlose Relevanz des Materials. Dabei setzt sich in diesem Fall Die Mitte der Welt mit Themen wie Erwachsenwerden, Ausgrenzung, (Homo-)Sexualität, Liebe, familiären Verhältnissen, gesellschaftlichen Normen und Selbstfindung auseinander. Anders als in den anderen drei Genres fokussiert das Musical nicht nur auf den Protagonisten Phil, sondern nutzt diesen vor allem als Leitfaden, um durch die Geschichte zu führen, und beleuchtet auch die anderen Figuren und ihre Konflikte im Alltag. Phil versucht, alles in Ordnung zu bringen, stolpert jedoch in ein Liebeschaos hinein, entdeckt bisher unbekannte Gefühle wie Eifersucht, Einsamkeit, Verantwortungsgefühl, sexuelle Bedürfnisse und Kommunikationsdrang. Er sucht nach einem stabilen inneren Standort (geografisch betrachtet seine „Mitte der Welt“) inmitten verwirrender (familiärer) Strukturen. Die Zeitdarstellung besteht aus Vergangenheiten in Form von Flashbacks bis hin zur Gegenwart. Die verhandelten Themen sind daher offen ersichtlich nicht mediumgebunden, wenn Wege gefunden werden, diese in allen Genres darzustellen. Und dies eröffnet neuen Raum, denn jede Adaption setzt neue Fragezeichen und Schwerpunkte, mit einer Spiegelung der momentan gespielten Zeit und deren Merkmalen. Das Theater mit seinen performativen Darstellungsformen wird zum Ort der Gegenwärtigkeit und des „Im-Hier-und-Jetzt-Seins“. Der Bühnenraum wird zum Resonanzraum. Der Theaterraum wird zu einem Ort der Erfahrung – im Gegensatz zum Film. In dieser Inszenierung von Die Mitte der Welt am Landestheater Linz ist das Publikum sogar bühnentechnisch mittendrin im Geschehen und so nah an den Darsteller:innen, dass es ein Teil der Struktur und des Gesamtgeschehens werden kann. Und Übergänge von Flashbacks zur Gegenwart werden wie mit filmischer Montage kreiert.
Ein Stoff kann also, wie oben analysiert, in vielen Gattungen funktionieren, sogar, wenn diese teilweise ineinanderfließen. Die Wahl in diesem Fall von Die Mitte der Welt fällt auf das Musical, welches durch das Genre selbst mit Musik, Gesang, Schauspiel und Tanz vielleicht das meiste aus dem Stoff hervorholen kann. Mit präziser Wahl der Werkzeuge wird agiert, um, anstatt zu desorientieren, ganz im Gegenteil einen emotionalen und vielschichtigen Leitfaden zum besseren Verständnis der Thematik zu liefern. Dazu hat jedoch selbstverständlich jeder Gattungsraum seine Vor- und Nachteile. Aber es können trotzdem „nicht-raumbezogen“ offene Fragen für die Zuschauer aufgeworfen werden, um sie zum Nachdenken anzuregen. Denn wo ist eigentlich die eigene „Mitte der Welt“?
Literaturliste
Butler, Judith: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt am Main 1992.
Fischer-Lichte, Erika: Ästhetik des Performativen. Frankfurt am Main 2004.
Lehmann, Hans-Thies: Postdramatisches Theater. Frankfurt am Main 1999.
Roach, Joseph R.: The Player’s Passion. Ann Arbor 1985.
Steinhöfel, Andreas: Die Mitte der Welt. Hamburg 1998.
Andreas Steinhöfels 1998 erschienener Roman Die Mitte der Welt lässt sich nur schwer in eine Schublade stecken. Drückt man das Buch zehn Personen in die Hand, erhält man zehn völlig unterschiedliche Adaptionen. Worauf legt man bei der Übertragung in ein anderes Medium den Schwerpunkt? Will man eine bodenständige, alltagsnahe Coming-of-Age-Geschichte erzählen? Konzentriert man sich eher auf den Familienkonflikt oder auf die Lovestory zwischen zwei Jungs? Wie geht man mit den märchenhaften, magisch-realistischen Elementen der Vorlage um?
Wir suchen dich! für die Linzer Produktion des Musicals Matilda. Musik und Gesangstexte Tim Minchin, Buch Dennis Kelly nach dem Roman von Roald Dahl, Mit dem Musicalensemble Linz im Musiktheater.
Am 11. September 2001 richtet sich der Blick der Welt auf New York. Terroristen lenken zwei Passagierflugzeuge in die Türme des World Trade Centers. Während sich das Drama in Manhattan entfaltet, herrscht über dem Atlantik tagesüblicher Hochbetrieb. Hunderte Maschinen sind auf dem Weg in die USA, darunter auch Lufthansa-Flug 400 von Frankfurt nach New York mit Kapitän Reinhard Knoth im Cockpit. An Bord: 354 Menschen, darunter Prominente wie der damalige Hugo-Boss-Chef Werner Baldessarini und Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth. Doch um 9.15 Uhr New Yorker Zeit ist Schluss: Die US-Luftfahrtbehörde schließt den Luftraum. Über 400 Flüge müssen umgeleitet werden. Kanada aktiviert „Operation Yellow Ribbon“ und nimmt die Maschinen auf – eine logistische und menschliche Mammutaufgabe.
In der Nacht zum 25. Jänner 1996 starb Komponist und Autor Jonathan Larson im Alter von 35 Jahren durch eine Aortendissektion. Am gleichen Tag war in New York die erste Preview seiner Bohème– Adaption Rent angesetzt. Larson, der jahrelang unter prekären Bedingungen unerschütterlich seine Karriere als Musicalkomponist verfolgt hatte, konnte so seinen größten Erfolg nicht mehr miterleben. Rent wurde kurze Zeit nach seiner Uraufführung im New York Theatre Workshop an den Broadway transferiert und lief dort 12 Jahre ununterbrochen 5123-mal bis September 2008.
Um heute im Theater noch zu schockieren, müssen Regisseur:innen sich schon etwas einfallen lassen. Ein Nackter auf der Bühne? Gähn! Eine Operette im Pissoir? Alles schon gesehen. Gut ausgeleuchteter Sado-Maso-Sex zwischen Nonnen? Wir kommen der Sache schon näher.
London, 1595. Die Theatertruppe um das Brüderpaar Nick und Nigel Bottom ist fast bankrott, denn ganz London will nur einen sehen: den Renaissance-Superstar William Shakespeare. In seiner Verzweiflung wendet sich Nick an eine Wahrsagerin, um herauszubekommen, was in der Zukunft die Leute vor den Theaterkassen Schlange stehen lassen wird. Nancy Nostradamus ist von ihrer Prophezeiung selbst überrascht: Theaterstücke, in denen Dialog nahtlos in Gesang übergeht, zu dem auch noch frenetisch getanzt wird. In einem Wort: Musicals!
Zur ersten Premiere unserer neuen Spielzeit wagte Musical-Dramaturg Arne Beeker ein kleines Experiment. Er führte ein Interview mit Künstlicher Intelligenz über das Musical Wonderland und dessen Hintergründe.
Der zehnjährige George Gershwin war ein hyperaktiver, rauflustiger New Yorker Straßenjunge, der regelmäßig die Schule schwänzte – das Gegenteil seines pflichtbewussten älteren Bruders Ira. Doch eines Tages hörte er von der Straße, wie sein Mitschüler Max Rosenzweig in der Schulaula Violine spielte – und war gebannt.
Knapp ein Prozent der österreichischen Bevölkerung ist von geistigen Beeinträchtigungen betroffen, seien sie angeboren oder durch eine Krankheit oder einen Unfall bedingt. Das Musical Das Licht auf der Piazza greift ein nach wie vor tabuisiertes Thema auf: Wie geht die Gesellschaft mit dem Bedürfnis dieser Menschen nach Liebe und Sexualität um?
Henry Mason und Thomas Zaufke bescherten dem Landestheater mit Der Hase mit den Bernsteinaugen bis unters Dach ausverkaufte Vorstellungen, begeisterte Kritiken und vier Deutsche Musical Theater Preise, unter anderem den für das Beste Musical. Als Auftragswerk des Landestheaters entwickeln sie nun einen Musicalthriller um die Königinnen Maria Stuart und Elisabeth I. von England.
Im Interview mit Arne Beeker spricht Librettist Henry Mason über die Hintergründe und Entstehung von Die Königinnen.