Drei Fragen an Walter Haupt

  • 25. März 2019
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  • Text: Redaktion

1 | Wie kam es zu der Entscheidung, ein Tanzstück gerade über Marie Antoinette zu komponieren?

Mei Hong Lin und ich wollten miteinander arbeiten und ich habe ihr verschiedene Themen vorgeschlagen. Darunter war auch Marie Antoinette. Ich selbst bin mit der Zeit der Französischen Revolution historisch sehr vertraut, weil ich den Revolutionär Marat zum Titelhelden einer meiner Opern gemacht habe.

2 | Wie kann man sich die Zusammenarbeit von Choreografin und Komponist vorstellen?

Mei Hong hat mich mehrmals besucht. Wir saßen zusammen am Klavier, ich habe ihr meine Ideen musikalisch dargestellt und sie hat ihre Vorstellungen geäußert. Gemeinsam haben wir die einzelnen Bilder festgelegt und irgendwann habe ich dann begonnen, alles zu Papier zu bringen und zu komponieren und somit das Fundament für Stimmungen und rhythmische Impulse für die Choreografie geschaffen. Natürlich gab es da immer einen Spielraum, auf den Mei Hong reagieren konnte.

3 | Ein zeitgenössisches Publikum fürchtet wenig mehr als die Musik zeitgenössischer Komponisten. Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

In meinen jungen Jahren gehörte ich mit allem Drum und Dran der Avantgarde an. Ich muss aber zugeben, immer ein wenig darunter gelitten zu haben, mich einem Trend unterordnen zu müssen. Ich habe dann weiter bei Hans Werner Henze studiert, der diese Dogmen auch nicht bedienen wollte und bis heute einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Komponisten ist. Bei Henze habe ich viel gelernt und er hat mich auch darin bestätigt, die Tradition nicht über Bord zu werfen, sondern weiterzuentwickeln und eigenständig Neues zu entdecken. Er hat mich darin bestärkt, „ehrlich“ zu komponieren, Musik so zu schreiben, wie ich sie empfinde. Meine Handschrift – mein Faible für den großen Orchesterklang – ist ganz klar erkennbar. Ich schöpfe aus dem vollen Material!

Walter Haupt

Der Münchner Komponist Walter Haupt, Erfinder der „Linzer Klangwolke“, studierte an der Musikhochschule München Schlagzeug, Dirigieren und Komposition. Viele Jahre war er dann im Orchester der Bayerischen Staatsoper aktiv und parallel dazu leitete er 16 Jahre lang eine Experimentierbühne an dieser Institution. Tätigkeiten als Komponist, Dirigent, Inszenator und Klangarchitekt zeugen von seiner Vielfältigkeit. Zuletzt war er in 48 Ländern vor einem Millionenpublikum als Dirigent und Realisator spektakulärer, multimedialer Musik-Events erfolgreich.

Die Fragen stellte Katharina John
Foto: Philip Brunnader

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