Der grosse Krieg

Was passierte am Ägäischen Meer?

PremierenfieberJungesTheater

Die Mythenstränge, die sich um den Trojanischen Krieg ranken, sind zu einem Stamm verflochten, der einen großen Teil der gesamten antiken griechischen Mythologie trägt.

Stammbäume

Die Mythenstränge, die sich um den Trojanischen Krieg ranken, sind zu einem Stamm verflochten, der einen großen Teil der gesamten antiken griechischen Mythologie trägt. Da wuchert ein Ast in Richtung des Muttermörders Orest und des sagenumwobenen Geschlechts der Atriden. Dort verwachsen sich ein paar Argonautensöhne. Auf der Rückseite bahnt sich mit Diomedes ein immergrünes Zweiglein seinen Weg in Richtung des Thebanischen Sagenkreises. Und mittendrin entspringt die Irrfahrt des Odysseus, welche selbst ihre Rosenfinger (vgl. Eos – „die rosenfingrige“ bei Homer) wieder in unterschiedliche Sagenkreise steckt. So verhält es sich mit fast allen griechischen Sagen. Die vorkommenden Figuren lassen sich mehr oder weniger genau (und je nach Überlieferung immer etwas anders) in einen wild verwachsenen Stammbaum eintragen. Dessen wichtigste Düngemittel: Göttervater Zeus und seine scheinbar unkontrollierbaren Gelüste. Trotzdem weist der Trojanische Krieg mit seiner Konzentration antiker Helden eine Besonderheit auf: Während in anderen Sagen mal ein Herakles auf einen Jason oder ein Theseus auf eine Antiope trifft, liest sich die Aufzählung der Helden vor Troja wie die Gästeliste einer altgriechischen Oscar-Gala. Warum ist das so? Für viele Mytholog:innen ist die Antwort: Politik.

 

Der Stratege

König Tyndareos von Sparta hat ein Problem. Helena, die Tochter, die Rabenvater Zeus in Gestalt eines Schwans mit Tyndareos’ Frau Leda gezeugt hat, hat sich zur schönsten Frau der bekannten Welt entwickelt. Und wie zu erwarten war, schert sich der Erzeuger weder um Aufzucht noch um Verheiratung seiner Brut. Die Liste der Verehrer ist lang und erinnert dezent an das „Who-is-who“ vor den Toren Trojas einige Jahre später. Damit sich jene Männer, die im Rennen um Helenas Hand leer ausgehen, nicht gegenseitig die bärtigen Visagen einschlagen, lässt Tyndareos niemand geringeren als den späteren Chefstrategen Odysseus einen Plan formulieren. Egal wer die schöne Helena bekommt, alle anderen sollen dem Gewinner die Treue schwören. Um nicht vorzeitig aus dem Rennen zu fliegen, willigen alle Helden in den Bund ein. So kann Tyndareos seine halbgöttliche Ziehtochter zwecks guter Partie ungestört an den reichsten Interessenten (Menelaos) weiterreichen, und die geballte hypermaskuline Kraft Griechenlands zieht mit hängenden Köpfen und einem ungewollten Schwur in der Tasche von dannen. Als „Vermittlungshonorar“ erhält Odysseus Penelope, die geringfügig weniger hübsche Cousine der Helena. Ob der Trojanische Prinz Paris von dieser für ihn verhängnisvollen Bündelei wusste, als er wenig später auftauchte, um Helena, die ihm wiederum von der Göttin Aphrodite versprochen wurde, mit nach Troja zu nehmen, ist nicht überliefert. Möglicherweise hätte er es sich anders überlegt.

Europa gegen Asien

Im Mythos schifften die griechischen Held:innen samt ihrer Heere nun über nach Troja, um – ihrem Eide getreu – Helena zurückzuholen. Der Beginn des Trojanischen Krieges. Vielfach wurde dieser als mythologische Grundlage für sehr reale Spannungen im Grenzgebiet der heutigen Kontinente Europa und Asien, dem Ägäischen Meer, instrumentalisiert: der erste große Krieg zwischen Europa und Asien. Ein „Clash of cultures“. Einer realhistorischen Analyse hält dieses Narrativ aber nicht stand: Die Stadtstaaten und Bündnisse auf griechischer Seite teilten Göttermythen, Gesellschafts- system und Herrschaftsform mit der Stadt Troja (historisch vermutlich Hisarlık). Kontinentale Grenzen und die heute oft damit verbundenen Unterschiede in Mentalität und Lebenswirklichkeit waren weder im mythischen noch im realen Trojanischen Krieg Teil des Problems. Man kann davon ausgehen, dass sich die erste archäologisch belegte Vernichtung Trojas (ca. 1300 v. Chr.), auf der der große Mythos beruht, um Handels-, oder Gebietsinteressen drehte – also noch wesentlich stärker von politischen Motiven befeuert war, als es sich Odysseus in seinen hehrsten Träumen hätte ausmalen können.

 

Ideologischer Konflikt

Da eine entführte Schönheitskönigin und streitende (Halb-)Götter aber wesentlich mehr Futter für künstlerische Bearbeitungen liefern als langweilige Gebietskonflikte, setzt sich im Theater die mythologische Deutung des Trojanischen Krieges durch. Beispielsweise in Henner Kallmeyers Troja! Blinde Passagiere im Trojanischen Pferd, das im Oktober auf der Studiobühne zur Premiere kommt. Für die zwei Kinder aus den verfeindeten Lagern, die im Bauch des Trojanischen Pferdes aufeinandertreffen, ist der Auslöser des Krieges zweitrangig. Sie reproduzieren die Geschichten ihrer Vorfahren und treffen so als Feinde aufeinander. Erst das Bewusstsein, dass es ihnen als Nachfolgegeneration der Kriegsparteien freisteht, Situationen neu zu bewerten, lässt sie schließlich gemeinsam in einem Fischerboot dem Sonnenuntergang entgegensegeln. In der Mythologie findet sich das Motiv der „geläuterten Kinder“ häufig. Jedoch nicht häufiger als jenes der auf Nationalstolz oder religiöser Deutungshoheit besonnenen Rächer:innen in heutigen Konflikten, nicht weit von der Ägäis entfernt.

Weitere Themen

Die Brüder Löwenherz
TheatervermittlungJunges Theater

Zwischen Angst, Mut und Hoffnung: Ein Blick hinter die Kulissen von „Die Brüder Löwenherz“

Krümel ist krank. So krank, dass er sterben muss. Sein großer Bruder Jonathan weiß das und lindert die Angst, indem er Geschichten erzählt. Von Nangijala – wohin Menschen gehen, die so krank sind wie Krümel und die dort wieder ganz gesund sind und Abenteuer erleben. Doch dann kommt alles etwas anders, denn Jonathan geht vor nach Nangijala. Als Krümel ihm folgt, müssen die Brüder all ihren Mut zusammennehmen, um ihr neues Zuhause, das Heckenrosental, gemeinsam mit seinen Bewohner:innen vor Tengil und seinen Häschern zu retten. Es beginnt ein wildes Abenteuer um Freiheit und Gerechtigkeit, aber vor allem braucht es dazu ganz viel Mut und die Liebe der Brüder zueinander.

Levi R. Kuhr spielt im Stück die Rolle des Krümel. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie er sich auf seine Rolle vorbereitet hat und was die Figur des Karl (Krümel) Löwenherz für ihn persönlich bedeutet.

InterviewTheatervermittlungDieBrüderLöwenherz
First Love Christoph Gerhardus
Junges Theater

Was singen die da?

Singen ist nicht immer das Gleiche. Das reicht vom kunstvollen Grölen der Death Metal Bands, über das autotune-optimierte Singen hin zum klassischen obertonreichen mongolischen Kehlkopfgesang. Auch wir am Landestheater haben unterschiedliche Gesangsstile: Oper und Musical beispielsweise, aber auch im Schauspiel wird oft gesungen. Je nachdem versteht man jeden Stil mal besser, mal schlechter. Und damit ihr ganz sicher mitbekommt was in First Love – Ein Sommernachtstraum gesungen wird, haben wir hier die Texte für euch parat – mit sehr freien Übersetzungen.

FirstLoveEinSommernachtstraum
First Love Ensemble
Junges Theater

First Love – worum geht’s genau?

In First Love – Ein Sommernachtstraum geht es drunter und drüber: Nicht nur die Liebe bereitet Konfusion, hinzu kommen noch Magie, unterschiedliche Sprachen und Kunstformen. Damit die Verwirrung aber nur zwischen den Jugendlichen auf der Bühne stattfindet und weniger im Zuschauerraum, hier eine kurze Beschreibung der Figuren, ein paar mutmachende Worte zum Thema Liebe und hilfreiches Hintergrundwissen zum Stück.

FirstLoveEinSommernachtstraum
Oskar und die Dame in Rosa
Junges Theater

Jetzt mal Klartext

Oskars Eltern lieben ihr Kind. Doch trotzdem ist Oskar unglaublich wütend auf sie. Sie wissen nicht, wie sie mit Oskar darüber reden sollen, dass er austherapiert ist. „Austherapiert“ heißt leider nicht, dass er genug therapiert wurde und nun gesund ist. Es heißt, dass alle Möglichkeiten genutzt wurden, um ihn zu heilen, und nichts funktioniert hat.

PremierenfieberOskarUndDieDameInRosa
Der satanarchaeoluegenialkohoellische Wunschpunsch Probe
Junges Theater

Wünsche, Vorsätze und viel Arbeit

Silvester ist ein seltsames Ereignis: Das eine Jahr endet, das andere fängt an – und dafür gibt es eigentlich keinen anderen Grund als das Kalendersystem, auf das wir uns in der westlichen Welt geeinigt haben. Dennoch wünschen wir allen, die wir treffen, ein „gutes neues Jahr“ oder eine kreative Variation davon.

PremierenfieberWunschpunsch
Die weiße Rose
Junges Theater

Historischer Kontext zu Die weiße Rose

Petra Wüllenweber hat auf Grundlage von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Verhörprotokollen und Dokumenten der Zeit mit Die weiße Rose ein ebenso packendes wie zum Nachdenken anregendes Stück geschrieben. Wir möchten mit der Inszenierung euch als unser Publikum an die zeitlichen Hintergründe heranführen, gegen Faschismus sensibilisieren und ein Beispiel von Zivilcourage und Menschlichkeit anbieten. Damit ihr euch im Dschungel der historischen Begriffe besser zurechtfindet, hier ein Glossar der NS-Zeit.

(Für alle, die nicht über den QR-Code im Programmheft hergefunden haben, ist die Lektüre natürlich nicht weniger empfehlenswert!)

PremierenfieberDieWeisseRose
Die weiße Rose
Junges Theater

Über Vorbilder

Wir hatten Die weiße Rose eigentlich schon im April 2020 zur Aufführung bringen wollen. Der Artikel, den ich damals geschrieben hatte, hat es nie in den Druck geschafft. Die Pandemie hat viele Pläne über den Haufen geworfen und nun, drei Jahre später, benötigt der Text ein Update.

PremierenfieberDieWeisseRose
An der Arche um Acht
Junges TheaterSchauspielhaus

Ich packe meine Inszenierung und nehme mit…

Ein Theaterstück ist ein wenig wie eine Reise: man weiß irgendwann wohin (der Text) und mit wem (die Mitspielenden). Aber damit das auch ein buntes, lebendiges Abenteuer wird und nicht nur vier bis fünf Menschen auf der Bühne stehen, die den Text vorlesen, braucht es noch anderes, das von verschiedenen Menschen beigesteuert wird. Daher packen wir unseren Koffer und nehmen mit:

PremierenfieberAnDerArcheUmAcht