Divine Mattter

Zwei Choreografinnen, zwei Perspektiven auf Schöpfung, Transformation und Erneuerung

PremierenfieberTanzLinz

Mit der Premiere am 26. September 2026 im Großen Saal des Musiktheaters Linz eröffnet TANZ LINZ die Spielzeit 2026/2027 mit einem besonderen Tanzabend: Divine Matter vereint in einer Double Bill zwei choreografische Positionen international renommierter Künstlerinnen. Die Uraufführung Worship von Drew Jacoby trifft auf die Europäische Erstaufführung von Auto Cannibal von Stephanie Lake. Gemeinsam kreisen beide Werke um Fragen von Transformation, Hingabe und der zyklischen Natur von Schöpfung.

Im Zentrum steht das Konzept des „Divine Feminine“ – als Annäherung an die menschliche Sehnsucht nach Sinn, Bedeutung und Verbindung. Hingabe wird dabei als Haltung verstanden: sichtbar in Offenheit, Wiederholung, gemeinschaftlicher Erfahrung und in der Resonanz mit Natur, Körper und Bewegung.

Jacoby vermeidet bewusst eine eindeutige Lesart ihrer Arbeiten. „Ich sage nie gerne, worum meine Arbeiten gehen“, erklärt sie. Stattdessen lädt die Choreografin das Publikum ein, eigene Interpretationen der Bilder zu entwickeln. Themen wie Schöpfung, weibliche Archetypen, Ritual, Spiritualität und kollektives Bewusstsein bilden dabei einen assoziativen Raum, in dem persönliche und kollektive Erfahrungen miteinander verschmelzen.

Elena Sofia Bisci
Foto: Philip Brunnader
Drew Jacoby (Choreografie)
Foto: Philip Brunnader

Inspiriert wurde Worship von ihrer eigenen spirituellen Reise, von der Auseinandersetzung mit Dualität, Sinnsuche und den Widersprüchen menschlicher Existenz. Auch Jung’sche Archetypen sowie die Komplexität weiblicher Rollenbilder – Mutter, Heilige, Opfer, Prostituierte oder Kriegerin – prägen die choreografische Recherche und erscheinen als wiederkehrende Bilder einer vielschichtigen weiblichen Erfahrungswelt. Entstanden ist eine Arbeit, die Jacoby selbst als ihre bislang persönlichste bezeichnet.

Charakteristisch für ihre choreografische Handschrift ist das Spiel mit Gegensätzen: männlich und weiblich, ernst und verspielt, Schönheit und Irritation. Die Choreografin beschreibt ihren Stil als grafisch, technisch und körperlich intensiv. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen stets die Individualität und Eigenartigkeit der Tänzer:innen, die sie ermutigt, Risiken einzugehen und ihre persönlichen Qualitäten sichtbar zu machen.

Ein ebenso wichtiger Bestandteil von Worship ist die visuelle und musikalische Welt. Das Musikkonzept wurde von der Linzer Sound-künstlerin Crystn Hunt Akron (Christine Hinterkörner) kuratiert und teilweise eigens für die Produktion komponiert. Die Musikauswahl folgt einer eigenen Dramaturgie und verbindet Themen wie Gebet, Lust, Gewalt, Überforderung, Transzendenz und psychedelische Erfahrung. So entsteht eine vielschichtige Klanglandschaft, die die choreografische Reise durch unterschiedliche Bewusstseins- und Erfahrungsräume begleitet.

Bühnen- und Kostümbild von Gabriela Neubauer bewegen sich zwischen futuristischen und archaischen Anmutungen und schaffen eine zeitlose, immersive Atmosphäre. Gemeinsam mit der Musik eröffnet die visuelle Gestaltung einen Raum, der zugleich ritualhaft und zeitgenössisch wirkt und das Publikum tief in die Bildwelt von Worship eintauchen lässt.

Nicole Stroh
Foto: Philip Brunnader
Andrea Aguado Campo
Foto: Philip Brunnader

Auto Cannibal

Der zweite Teil des Abends führt das Thema der Transformation auf andere Weise weiter. In Auto Cannibal der australischen Choreografin Stephanie Lake wird der kreative Prozess selbst zum Gegenstand der Betrachtung. Ausgangspunkt ist die Erfahrung, dass keine Idee isoliert entsteht. Jede neue Arbeit trägt Spuren dessen in sich, was zuvor gedacht, erlebt oder geschaffen wurde.

Lake begreift diesen Kreislauf als produktive Kraft. Ideen entstehen, entwickeln sich weiter, zerfallen und werden zur Nahrung für neue Ideen. Bewegungsmaterial erscheint erneut, verändert sich und wird durch die Körper der Tänzer:innen neu geformt. Das Stück wird so zu einer choreografischen Hommage an Wiederverwendung, Transformation und Erneuerung – ein Stück über das Nachleben von Ideen im Körper.

Auto Cannibal wurde 2019 in Beijing und Tianjin, China, uraufgeführt. Die Produktion entstand als Auftragswerk von ADC (Australasian Dance Collective) und Beijing Dance/LDTX für Matrix, einen Doppelabend mit dem chinesischen Choreografen MA Bo. Die internationale Presse würdigte das Werk als „atemberaubend in seiner Originalität“.

Stephanie Lake zählt zu den bedeutendsten Stimmen des zeitgenössischen Tanzes Australiens. Die in Kanada geborene und in Australien lebende Choreografin ist für ihre intensive Körperlichkeit, präzisen Gruppenstrukturen und die Erforschung kollektiver Energie bekannt. Internationale Aufmerksamkeit erhielt sie unter anderem mit Werken wie Colossus, Manifesto und Pile of Bones. Für ihre großformatigen, visuell kraftvollen Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet und zählt heute zu den prägenden Choreografinnen ihrer Generation.

Für die Musik von Auto Cannibal zeichnet der australische Sounddesigner und Klangkünstler Robin Fox verantwortlich. Seine Kompositionen schaffen einen akustischen Raum, der die choreografischen Prozesse von Wiederholung, Transformation und Erneuerung klanglich spiegelt.

Mit Divine Matter erwartet das Publikum ein sinnlicher, bildstarker Tanzabend voller Ausdruckskraft und körperlicher Präsenz der 16 Tänzer:innen von TANZ LINZ. Die Choreografien von Drew Jacoby und Stephanie Lake verbinden virtuosen Tanz mit atmosphärischen Klangwelten und einem zugleich reduzierten wie eindrucksvollen Bühnen- und Kostümbild.

Einen ersten Einblick in Worship gibt Drew Jacoby bereits am 9. September 2026 im Rahmen des Ars Electronica Festivals im Mariendom in Linz.

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Am 13. Juni feiert in der BlackBox des Musiktheaters ein besonderes Projekt Premiere: Das Spiel ist aus, das neue Tanzstück von Lilit Hakobyan, entstanden mit TANZ LINZ im Rahmen des Produktionspreises des 39. Choreografie Wettbewerbs Hannover. Bereits zum zweiten Mal vergibt das Landestheater Linz diesen Preis und ermöglicht damit einer Choreografin mit der Compagnie ein eigenständiges Werk zu entwickeln.

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Eine Frage der Liebe

Im Gespräch mit Roma Janus, Dramaturgin und Leiterin von TANZ LINZ, erzählt der belgische Choreograf Jeroen Verbruggen von seinem künstlerischen Weg, seinen Eindrücken vom Ensemble TANZ LINZ und darüber, warum sein Stück Amor & Psyche? mehr fragt als es beantwortet.

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Poetisch, intensiv, überraschend

Nach dem großen Erfolg seiner Interpretation von Dornröschen kehrt der renommierte Choreograf Andrey Kaydanovskiy mit einer neuen Kreation für TANZ LINZ ins Musiktheater zurück. Kaydanovskiy war 15 Jahre lang Tänzer und Demisolist des Wiener Staatsballetts und ist international gefragt für seine bildstarken Arbeiten zwischen Klassik und Gegenwart – u. a. für das Wiener Staatsballett, das Bayerische Staatsballett, wo er Hauschoreograf war, das Ballett am Rhein, Deutsche Oper am Rhein, Czech National Ballet sowie National Theatre Prag. In Shakespeare’s Dream, einem abendfüllenden Tanzstück in zwei Akten, begibt sich Kaydanovskiy auf eine Reise ins Innenleben eines der bedeutendsten Schriftsteller der Welt: William Shakespeare.

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Sidi Larbi Cherkaoui ist ein Visionär, dessen Werke die Grenzen von Tanz, Musik, Architektur und Theater sprengen. Der belgische Künstler mit marokkanischen Wurzeln hat sich als eine der einflussreichsten Stimmen des zeitgenössischen Tanzes etabliert.

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TANZ LINZ trifft Emanuel Gat: Eine Symbiose aus Individualität und Kreativität

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Auf der Bühne des Linzer Schauspielhauses rührt der Tanz an den Reservoirs der Vergangenheit und lässt Erinnerung und Gegenwart aufeinandertreffen. Die Soiree erprobt Annäherungen durch die vielschichtige Welt des internationalen Tanzes. Die Linzer Monika Leisch-Kiesl & Joachim Leisch antworten mit ihrer Tango Argentino Performance auf einen knapp 10-minütigen Ausschnitt von Gdzie są niegdysiejsze śniegi / Where Are the Snows of Yesteryear von Tadeusz Kantor in einer Aufnahme von 1984.

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Mit Romeo und Julia, der berühmtesten Liebesgeschichte aller Zeiten, die in den Jahren 1594 bis 1597 von William Shakespeare geschrieben worden ist, eröffnet TANZ LINZ die Saison. Die gebürtige Engländerin Caroline Finn übernimmt die Choreografie und debütiert damit in einem österreichischen Theater. Gemeinsam mit TANZ LINZ und dem Bruckner Orchester Linz, unter der Musikalischen Leitung von Marc Reibel, wird sie das berühmte Werk am 7. Oktober 2023 auf der großen Bühne des Musiktheaters zur Premiere bringen. In einem Gespräch mit Roma Janus, der Künstlerischen Leiterin der Sparte Tanz, gibt sie den ersten Einblick in ihre künstlerische Herangehensweise und ihre Inspirationen für die bevorstehende Inszenierung.

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