Horváths Klassiker „Kasimir und Karoline“ ist eine bittersüße Liebesgeschichte
Das Oktoberfest in München fand heuer zum 185. Mal statt, erwartet wurden etwa 6,5 Millionen Besucher und ein Bierkonsum von sieben Millionen Litern, der Kurier titelt bereits am 25. September: „Sexuelle Übergriffe auf dem Oktoberfest: Einmal mehr nutzen Männer Wehrlosigkeit betrunkener Besucherinnen aus“. Nicht ganz so alt wie das Oktoberfest (hundert Jahre jünger), aber ebenfalls ein Klassiker ist Ödön von Horváths bittersüße Liebesgeschichte über das Paar, das sich auf dem Oktoberfest verliert, um nach einer durchzechten Nacht nicht wieder zusammenzufinden: „Kasimir und Karoline“ von 1932. Horváth selber sagt: „Eine Ballade voll stiller Trauer, gemildert durch Humor.“ In Deutschland war das Stück seiner Meinung nach missverstanden worden, es wunderte ihn aber gar nicht, dass die Österreicher es von Anfang an begeistert aufnahmen (ehe es ab 1938 auch hier nicht mehr gespielt wurde). Klassiker nennen wir Kunstwerke, die sich über die Jahrzehnte (und Jahrhunderte) wiederkehrender Beliebtheit erfreuen, weil unterschiedliche Epochen sich darin erkennen. Wer genauer hinschaut, der bemerkt, dass wir uns auch mit unseren Klassikern zu Zeite schwertun. Nicht immer leuchtet ein, was frühere Generationen umtrieb – dann wieder wird ein Stück „neu entdeckt“ und die Epoche findet ihr Spiegelbild in einem früheren Zeitalter.











