Frau Doktorin Sandberger, Sie gehen in Ihrer Freizeit oft ins Theater, können Sie sich an Theaterbesuche erinnern, die Sie ein wenig von der Realität weggetragen haben?
Ja, das passiert immer wieder. Bei mir sind es vor allem Tanzstücke und auch nonverbale Stücke, bei denen vieles offen bleibt und die mir genügend Raum für meine eigene Interpretation lassen. Ich mag es, wenn einiges abstrakt bleibt.
Sie arbeiten seit 30 Jahren als Cliniclownin in oberösterreichischen Spitälern. Wie haben Sie als ausgebildete Psychologin die Liebe zum Clown gefunden?
Ich habe aus Interesse an der Sommerschule in Graz drei Wochen Pantomime belegt und zum Abschluss ein Stück mit Clowns gesehen. Als Kind im Zirkus mochte ich die oftmals brachialen Clowns eigentlich nicht, aber in Graz verliebte ich mich in diese skurrilen, schrägen und vor allem naiven Figuren. Darum belegte ich im nächsten Jahr den Clownworkshop. Der Leiter meines Kurses hat gegen Ende gemeint, er erkenne bei mir ein Clownpotenzial, und hat mich gefragt, ob ich eine Cliniclownin werden möchte.
Wie verläuft Ihr Kontakt mit den Patient:innen im Krankenhaus?
Wir erkundigen uns zuerst beim Personal nach den Patient:innen, dabei möchte ich nicht die Krankengeschichte wissen, sondern eher, ob jemand spezielle Bedürfnisse hat. Wir versuchen dann im Spiel darauf Rücksicht zu nehmen. Wir improvisieren ja immer im Kontakt mit den Patient:innen und spielen keine einstudierten Szenen.
Können Sie sich an besondere Erlebnisse erinnern?
Ich kann mich etwa an einen vierjährigen krebskranken Buben erinnern. Er ist, als wir Clowns mit ihm gespielt haben, mit seiner Chemotherapie-Infusion ausgelassen im Bett herumgehüpft. Wir hatten den Eindruck, er vergisst auf einmal völlig seine Krankheit und darf nun wieder ein unbeschwertes Kind sein. Als Cliniclownin erlebe ich manchmal wunderbare Momente. Ich habe dieses Bild von ihm jetzt noch vor Augen.
Kinder besitzen noch die Gabe, unbändige Freude zu empfinden, und glauben manchmal auch noch an Wunder. Fällt Ihnen dazu eine Situation ein?
Bei einem Buben ganz besonders. Er wartete auf ein Spenderherz, war lange auf der Kinderstation und hat viel mitgemacht. Er hat es geliebt, bei jedem Besuch für uns zu zaubern. Einmal waren wir lange bei ihm im Zimmer, und weil es uns so schwerfiel zu gehen, baten wir ihn, uns aus dem Zimmer zu zaubern. Nachdem er seinen Zauberspruch beendet hat, geht plötzlich die Tür auf, und die anderen beiden Clowns, wir sind immer zu viert im Kinderspital auf Clownsvisite, kommen herein. Nie werde ich seinen erstaunten Blick vergessen. Sein Zauber hatte funktioniert. Welch ein magischer Moment für uns alle!