Gleich dreimal ist das Landetheater Linz für den begehrten NESTROY-Preis nominiert.
Hier ist ihr Herzblatt!
Seit es Menschen auf der Welt gibt, gibt es die Liebe. Und seit es das Fernsehen als Massenmedium gibt, gibt es Dating-Shows.
Drei Nominierungen für den NESTROY 2019 für das Landestheater Linz
Gleich dreimal ist das Landetheater Linz für den begehrten NESTROY-Preis nominiert.
Wir gratulieren allen Nominierten und drücken für die Preisverleihung am 24. November schon jetzt die Daumen!

von Ödön von Horváth, Inszenierung Susanne Lietzow, Landestheater Linz
Jurybegründung
Susanne Lietzow inszeniert Horvath in Ton und Haltung pur und beweist damit, dass Aktualisierung oder karikierende Stilisierung in die Irre führen. Horváths einzigartige Sprache braucht keine Überhöhung, nur sensible Schauspieler, die uns mit ihren Worten in den Bann ziehen. Lietzow hält sich an Horváths „Gebrauchsanweisung“, in der er eine „Synthese zwischen Ironie und Realismus“ verlangt. Wenn dies gelingt, erreicht das Spiel das Ziel: die Demaskierung. Keine Parodie, kein Dialekt, keine neue Sichtweise. Der „Horváth-Stil“ erlaubt die Entfernung vom Realismus nur soweit, als die Allgemeingültigkeit herausgestrichen werden kann. Es muss etwas Unheimliches in den lakonischen Sätzen mitschwingen, ein doppelter Boden, eben der Kampf des Bewusstseins gegen das Unterbewusste. Nichts macht so betroffen wie eine schlichte und ehrliche Aufführung. Für dieses weit und breit konkurrenzlose Lehrbeispiel ein Lob dem gesamten Ensemble – und dem Krokodil.
(Eva Maria Klinger)

als Grace in „Dogville“ von Lars von Trier, Landestheater Linz
Jurybegründung
Auf der Bühne eine Rolle zu spielen, die auf der Leinwand von Nicole Kidman verkörpert wurde, ist eine echte Hypothek. Aber auch sonst ist die Grace in Lars von Triers „Dogville“ eine darstellerische Herausforderung: Eine junge, sich auf der Flucht befindlichen Frau bedankt sich bei den Bewohnern einer Kleinstadt, die ihr Schutz gewähren, mit allerhand kleinen Gegenleistungen, bis sie schließlich als Arbeitstier und Sexsklavin endet. Da entpuppt sie sich als Tochter eines Gangsterbosses und zahlt die Entmenschlichung mit gleicher Münze zurück. Die 1989 geborene Salzburgerin Anna Rieser, seit der Spielzeit 2016/17 in ihrem ersten Festengagement am Landestheater Linz, beherrscht das Zarte wie das Harte, sie kann Beschützerinstinkte wecken und Zähne zeigen. In „Dogville“ gerät sie zunächst unter die Hunde und geht ihnen am Ende selber an die Gurgel. Hätte es nicht mit der Schauspielerei geklappt, wäre sie am liebsten Formel-1-Fahrerin geworden, sagt Rieser. Auch, wer sie in der vergangenen Saison als Charlotte Corday in „Marat/Sade“ oder als Ferdinand Raimunds Geliebte Toni in „Brüderlein fein“ in Gutenstein gesehen hat, weiß es zu schätzen, dass sie nicht im Vollvisierhelm mit 250 Stundenkilometern an einem vorbeisaust.
(Wolfgang Huber-Lang)

mit der Inszenierung „Ernst ist das Leben – Bunbury“ von Oscar Wilde, deutsche Fassung von Elfriede Jelinek, Landestheater Linz
Jurybegründung
Dieser Regisseur nützt das gesamte komische Potential, das in dieser Komödie lauert, schamlos aus. Ein Sprühregen an Pointen fällt im wahrsten Sinn vom Himmel. Denn die Figuren treten nicht auf, sondern fallen durch ein Loch im Plafond auf die Spielfläche, wo eine riesige Luftmatratze sie auffängt. Das ergibt zusätzliche Überraschungseffekte in der an unerwarteten Verwicklungen reichen Komödie. Ein Feuerwerk an originellen Ideen explodiert am laufenden Band und bei aller Turbulenz beweist der junge Regisseur eine Stilsicherheit, die ihm eine hoffnungsvolle Zukunft eröffnet. Matthias Rippert beweist Talent für Timing, setzt instinktsicher in einer makellosen Personenführung auf Witz und Ironie. Selbst in der Wahl der grellen Kostümierung und in den Musikeinspielungen alter Schmachtfetzen übertritt er nicht die Schwelle zu billigem Klamauk.
(Eva Maria Klinger)
Seit es Menschen auf der Welt gibt, gibt es die Liebe. Und seit es das Fernsehen als Massenmedium gibt, gibt es Dating-Shows.
Kennen Sie den Bechdel-Test? Er besteht aus drei Fragen, anhand derer festgestellt werden kann, wie frauenfeindlich ein Film oder ein Theaterstück ist. Erfunden hat ihn die amerikanische Comiczeichnerin Alison Bechdel 1985, als Schnelltest, ob ein Spielfilm wert ist, angeschaut zu werden. Die Fragen lauten: Gibt es mindestens zwei Frauenrollen? Sprechen sie miteinander? Reden sie miteinander über etwas anderes als über einen Mann? Falls Sie diese Fragen zum ersten Mal hören, gebe ich Ihnen etwas Zeit, sie auf sich wirken zu lassen.
Ödön von Horváth teilt das Schicksal vieler (wenn nicht aller) österreichischen Theaterklassiker: Wie bei Arthur Schnitzler, Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek (um nur die zu nennen) werden seine Stücke, wenn nicht gleich verboten, so doch bei ihrem Herauskommen als Nestbeschmutzungen verschrien. Das werden sie aber nur, um wenige Jahrzehnte später in das Kernrepertoire der österreichischsten aller Bühnen, des Theaters in der Josefstadt aufgenommen zu werden (und damit geradewegs ins immaterielle österreichische Kulturerbe). Man könnte sagen, wenigstens an dieser Merkwürdigkeit ist Ödön von Horváth unschuldig. Er ist aber auch darüber hinaus ein entschieden doppelgesichtiger Autor, dessen Person und Werk von Widersprüchen häufig wie zerrissen scheint.
Die Regisseurin Susanne Lietzow inszeniert am Landestheater Linz Die Bettleroper nach John Gay und Johann Christoph Pepusch. Das Singspiel aus dem Jahr 1728 schildert den Kampf zweier Könige der Londoner Unterwelt, des Hehlers Peachum mit dem Räuber Macheath. Die Rivalität eskaliert, als Macheath die Tochter Peachums, Polly, heiratet. Susanne Lietzow hat das Stück, zusammen mit dem Musiker und Komponisten Gilbert Handler, neu geschrieben. Wir treffen sie kurz vor Probenbeginn im Landestheater.
Wer mit Lisa Wentz über Theater spricht, spürt sofort ihre Begeisterung für das „Kraftwerk der Gefühle“ – so nennt es der Schriftsteller Alexander Kluge. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen stets die Figuren: ihr Ausdruck im Hier und Jetzt, ihr Agieren in der konkreten Situation. Ein Agieren, das Emotionalität und Biografie widerspiegelt. Aus diesem Kern entwickelt die Autorin ihre Geschichten.
Manche Vorurteile sind so hartnäckig wie Kaugummi auf Schuhsohlen. Sie sind praktisch, weil sie die Welt vereinfachen und – vielleicht noch wichtiger – eine Bewertung liefern. Vorurteile werten ab und werten gleichzeitig das auf, was sich über das Abgewertete erhebt. Ihre Hartnäckigkeit verdanken sie einer wirkmächtigen Dichotomie von „oben“ und „unten“.
Mit einem vielfältigen Programm rund um „80 Jahre Kriegsende“ wird das Landestheater Linz Erinnerungskultur aktiv gestalten und Räume für gemeinsame Reflexion bieten.
Selten bringt ein Begriff die Gemüter mit größerer Sicherheit in Wallung als jener der „Identitätspolitik“. Vom rechten politischen Spektrum ohnehin zum Kampfbegriff erhoben – obwohl dort ebenfalls Identitätspolitik betrieben wird, aber das nur nebenbei – schafft es der Streit um die Identität zuverlässig, die Fronten zu verhärten. Doch warum? Was hat es mit diesem Schlagwort eigentlich auf sich, welches seit einigen Jahren die Debatten beherrscht, egal ob im Feuilleton oder in den sozialen Medien und wer kämpft da eigentlich gegen wen?
Immer mehr Menschen stehen heute unerwartet vor der Situation, plötzlich Chef zu sein. Da heißt es Führungsstärke unter Beweis stellen, kompetent sein, die richtigen Entscheidungen treffen. Nicht zuletzt: Compliance! Rumschreien, dickes Spesenkonto, mangelnder Respekt vor Mitarbeiter:innen: Das war gestern. Heute muss ein Chef wissen, wie er oder sie auch die leisen Töne anschlägt, nicht den eigenen Vorteil sucht, Grauzonen systematisch aus dem Weg geht.