In meiner Arbeit als Musiktheaterpädagogin entwickle ich täglich Strategien, um unterschiedliche Zielgruppen fürs Theater zu begeistern. Wenn es um Oper geht, erscheint diese Aufgabe, vor allem im Hinblick auf ein junges Publikum, besonders schwierig. Dabei stellt sich eine zentrale Frage: Hat diese vielschichtige Kunstform, die auf den ersten Blick weit von der Lebenswelt junger Menschen entfernt erscheint, den neuen Generationen noch etwas zu erzählen? Ist es in einer Zeit, die von schnellen und unmittelbaren Inhalten geprägt ist, überhaupt noch möglich, Kinder und Jugendliche für die Sprache der Oper zu begeistern?
Vielleicht sollte die Frage jedoch anders gestellt werden: Ist die Oper tatsächlich so weit von jungen Menschen entfernt oder handelt es sich vielmehr um eine Kunstform, die erst kennengelernt, erfahren und entdeckt werden muss?
Eine konkrete Erfahrung
Die Perspektive verändert sich, wenn Oper nicht als etwas verstanden wird, das erklärt werden muss, sondern als eine Erfahrung, die aktiv erlebt werden kann.
Ein besonders gelungenes Beispiel dafür ist die heutige Klasse 4B der Volksschule 45 Linz. Gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Ulrike Prammer besuchen die Kinder seit ihrem ersten Volksschuljahr regelmäßig unsere Opernproduktionen für junges Publikum. Jede Begegnung mit einer Produktion wurde durch eine aktive Vorbereitung begleitet: durch angeleitete Hörübungen, Rollenspiele zur Identifikation mit den Figuren, das Gestalten von Standbildern und vielfältige kreative Weiterarbeit. Im Mittelpunkt steht dabei die aktive Auseinandersetzung mit dem Material, die einen emotionalen Zugang zu den Geschichten und Figuren ermöglicht.
Die Kinder erleben so den Theaterbesuch nicht passiv, sondern können die Inhalte mit ihren eigenen Erfahrungen verbinden. Auf diese Weise wird die Komplexität der Oper durch altersgerechte Zugänge erfahrbar und verständlich.