Wenn Oper zur eigenen Geschichte wird

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Ist die Oper tatsächlich so weit von jungen Menschen entfernt oder handelt es sich vielmehr um eine Kunstform, die erst kennengelernt, erfahren und entdeckt werden muss?

In meiner Arbeit als Musiktheaterpädagogin entwickle ich täglich Strategien, um unterschiedliche Zielgruppen fürs Theater zu begeistern. Wenn es um Oper geht, erscheint diese Aufgabe, vor allem im Hinblick auf ein junges Publikum, besonders schwierig. Dabei stellt sich eine zentrale Frage: Hat diese vielschichtige Kunstform, die auf den ersten Blick weit von der Lebenswelt junger Menschen entfernt erscheint, den neuen Generationen noch etwas zu erzählen? Ist es in einer Zeit, die von schnellen und unmittelbaren Inhalten geprägt ist, überhaupt noch möglich, Kinder und Jugendliche für die Sprache der Oper zu begeistern?

Vielleicht sollte die Frage jedoch anders gestellt werden: Ist die Oper tatsächlich so weit von jungen Menschen entfernt oder handelt es sich vielmehr um eine Kunstform, die erst kennengelernt, erfahren und entdeckt werden muss?

Eine konkrete Erfahrung

Die Perspektive verändert sich, wenn Oper nicht als etwas verstanden wird, das erklärt werden muss, sondern als eine Erfahrung, die aktiv erlebt werden kann.

Ein besonders gelungenes Beispiel dafür ist die heutige Klasse 4B der Volksschule 45 Linz. Gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Ulrike Prammer besuchen die Kinder seit ihrem ersten Volksschuljahr regelmäßig unsere Opernproduktionen für junges Publikum. Jede Begegnung mit einer Produktion wurde durch eine aktive Vorbereitung begleitet: durch angeleitete Hörübungen, Rollenspiele zur Identifikation mit den Figuren, das Gestalten von Standbildern und vielfältige kreative Weiterarbeit. Im Mittelpunkt steht dabei die aktive Auseinandersetzung mit dem Material, die einen emotionalen Zugang zu den Geschichten und Figuren ermöglicht.

Die Kinder erleben so den Theaterbesuch nicht passiv, sondern können die Inhalte mit ihren eigenen Erfahrungen verbinden. Auf diese Weise wird die Komplexität der Oper durch altersgerechte Zugänge erfahrbar und verständlich.

Foto: Phillip Brunnader

Vom Publikum zum Projekt

Im Laufe der Zeit entwickelten die Kinder sogar eigene Versionen der besuchten Opern. So wurde zum Beispiel Die Prinzessin auf der Erbse von Ernst Toch zu Die Prinzessin auf dem Wassertropfen. Dabei griffen die Kinder zentrale Themen und Motive auf und entwickelten daraus ihre eigene Geschichte. Figuren wurden neu interpretiert, Texte umgeschrieben und musikalische Elemente neugestaltet.

Ein ähnliches Projekt entsteht derzeit zur Familienoper Madita. Die Kinder lassen Astrid Lindgrens Madita und ihre Freund:innen in neuen Szenen und Geschichten lebendig werden, die von ihren eigenen Erinnerungen und Erlebnissen aus dem Schulalltag inspiriert sind. Ergänzt werden diese Geschichten durch musikalische Momente. Die Kinder überlegen selbst, welche Situationen und Gefühle sich besonders gut durch Musik ausdrücken lassen. Auf dieser Grundlage entstehen die musikalischen Beiträge gemeinsam mit der Klasse.

Foto: Phillip Brunnader

Kontinuität als Schlüssel

Was diesen Weg besonders wertvoll macht, ist seine Kontinuität. Jedes Jahr begegneten die Kinder einer neuen Oper und entwickelten dadurch Schritt für Schritt eine Vertrautheit mit der Sprache und den Ausdrucksformen des Musiktheaters. Die wahrgenommene Distanz wurde von Jahr zu Jahr kleiner, während die Neugier auf die Oper wuchs. Der Opernbesuch wurde zu einem erwarteten Ereignis und das Theater zu einem lebendigen Ort, an dem man gemeinsam entdecken, spielen, fantasieren und wachsen kann.

Die Antwort auf die Frage „Hat die Oper jungen Menschen heute noch etwas zu erzählen?“ geben am Ende die jungen Teilnehmer:innen dieses Projekts selbst.

„Die Musik macht alles peppiger und spannender.“

Klara

„Wir finden Oper toll, weil durch das Singen und die Musik die Emotionen stark herauskommen.“

Hella & Feza

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